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Stoffwindeln - Die Vorteile

windel
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Wickeln mit Soffwindeln?

eXpert: Hebamme Bettina Stawinski. Die meisten werdenden Mütter stellen sich während der Schwangerschaft die Frage: Soll ich mein Kind mit Stoffwindeln wickeln, oder soll ich besser Wegwerfwindeln verwenden? Es gibt viele Meinungen zum Thema, die meisten Pro und Contra Argumente sind bekannt. Ich möchte über einige Aspekte berichten, die eher selten erwähnt und deshalb von den meisten Müttern nicht in Betracht gezogen werden.

Auffällig ist, dass in der Zeit, in der die Kinder in Stoff gewickelt wurden, sie schneller trocken waren. Das mag natürlich auch an dem Druck gelegen haben, den die Mütter gemacht haben, weil ihnen das Waschen zu viel war. Waschmaschinen waren damals meist noch unerschwinglich.

Auch gab es weniger Hüftauffälligkeiten, weil die Kinder durch die Stoffmengen zwischen den Beinen in einer guten Spreize waren und diese Spreize die angeborene Hüftunreife in ihrer Reifung beschleunigte.

Das Klima in den Stoffwindeln fördert den Windeldermatitis nicht mehr als das Treibhausklima in den Wegwerfwindeln. Im Gegenteil, mit einem äußeren Nässeschutz aus Wolle ist die Luftzirkulation gegeben. Dies kann man von den Wegwerfwindeln nicht behaupten.

Es gibt mittlerweile Erkenntnisse, dass die Spermienqualität der heute 20 jährigen Jungen unter anderem deswegen so schlecht ist, weil es in den Wegwerfwindeln zu Überwärmung der Hoden kommt, was durch eine verlängerte Wickelzeit von häufig 4 Jahren verursacht wurde.

Die Kinder wurden in den Zeiten der Stoffwindeln häufiger gewickelt, (damit sie nicht durchnässten) was einem Wundsein ebenfalls vorbeugte. Von den chemischen Zusatzstoffen, über deren Aufnahme durch die Haut noch nichts bekannt ist, sollte man auch nachdenken. Denn eine Windel mit einem extra trockenen Inneren ist nur mit chemischen Bindemitteln herzustellen.

Es gibt heute mehrere Stoffwickelsysteme auf dem Markt. Sie sind aus Baumwolle und funktionieren sehr ähnlich wie eine Wegwerfwindel. Man kann sich ein Startpaket aus mehreren Größen zulegen und selber waschen, oder aber einen so genannten Windeldienst in Anspruch nehmen. Diese Anbieter bringen die sauberen Windeln und nehmen die schmutzigen zum Waschen mit. Die Höhe der Kosten liegt natürlich über dem von Wegwerfwindeln. Die Eltern, die ich betreut habe und die diese verwenden, waren häufig nicht zufrieden, weil die Größen nicht gut passten.

Bei einem anderen System handelt es sich um die Bindewindeln. Diese sind ebenfalls aus Baumwolle und wie ein "T" geformt. Am unteren Ende sind Bänder, die ein gut verschnürtes Windelpaket machen, das auch beim Strampeln des Kindes sitzt. Wichtig ist dabei, dass genügend Baumwolle zwischen den Beinen des Kindes ist, um Nässe aufnehmen zu können. Bei zu wenig Stoff kommt es zu einer Dochtwirkung und das Kind wird durchnässt.

Nun zum äußeren Nässeschutz:

Wenn man eine Gummihose darum packt, kann man sich das ganze Theater sparen, weil diese nicht atmet und luftundurchlässig ist. Anders bei einer Wollwindelhose: Sie besteht aus rein chemisch unbehandelter Wolle und hat viele Vorteile. Sie kann Flüssigkeit in enorm großer Menge aufnehmen und gibt sie als Verdunstung wieder ab. Sie klimatisiert sich selbst, es kommt zu keiner Überwärmung, auch im Sommer nicht (ich habe noch nie Schafe tot auf der Weide liegen sehen, die an Hitzeschlag gestorben sind) und sie ist atmungsaktiv, was dem wund werden vorbeugt.

Ich habe meine drei Kinder in Stoff gewickelt. Keines meiner Kinder war jemals wund und ich habe nicht eine Dose Wundschutzsalbe benötigt. Machen wir uns nichts vor, natürlich sind die Wegwerfwindeln praktischer, aber mir hat es widerstrebt, meinen Kindern eine Plastiktüte um den Hintern zu kleben.

Ein Kind wird, bis es trocken ist, etwa 4000 Mal gewickelt. Mag sich jemand den Windelmüll vorstellen, der so in Deutschland pro Jahr zusammen kommt? Stoffwindeln sind allerdings nur dann umweltschonender, wenn eine Menge vorhanden ist, die ein Waschen erst alle 2-3 Tage nötig macht.


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Kommentare

1

Leider gibt es Kindergärten, die Kinder mit.Stoffwindeln nicht nehmen sondern nur Wegwerfwindeln. Wenn ich für den Kindergarten tauschen muss kann ich es doch gleich lassen oder nicht? Verwirrt das nicht das Kind?

von Marie_90 am 15.10.2014 07:47

2

@DASM,Nein die Stoffwindeln sind nicht wirklich dicht. Aber da wird ja immer noch was drüber gezogen. Ich habe Wollfetthöschen benutzt. Also gleich durch sind die nicht, häufiger wechseln muss man schon.

von Tara1000 am 15.06.2014 12:38

3

ich hätte eine frage: bei den stoffwindeln, sind die wirklich so "dicht"? ich kann mir das nur schwer vorstellen, dass die nicht sofort auslaufen, wenn das kind pipi gemacht hat. da muss man ungemein darauf aufpassen, wann das kind reinmacht weil doch sonst alles sofort nass ist oder irre mich da?

von DASM am 15.06.2014 11:55

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Ich bezweifel, dass das "trockenwerden" an der Art und Form der Windel liegt, sondern mehr daran, wie die Eltern dem Kind das Töpfchen näherbringen. Mein Kind, wenn ich eines habe, wird so gewickelt, wie es 1. die Zeit zulässt und 2. wie mein Kind es verträgt. Merke ich, dass z.B eine Pampers nicht gut tut, wird eine Stoffwindel genommen und umgekehrt. Chemische Zusätze... wisst ihr überhaupt wo überall chem. Stoffe und Zusätze drin sind? ÜBERALL in gekaufen Sachen, auch im Essen! Also wenn man so penibel darauf achten möchte, am Besten selbst alles anpflanzen und herstellen. ;-)

von Gelöschter Benutzer am 22.05.2012 23:55

5

Also ich bin eine überzeugte Stoffi-Mama. Kleine Ergänzung zur Behandlung nach Benutzung: In die Windel kommt ein Zellstoffvlies. Das kommt mitsamt Inhalt ind Klo, die Windel kann man im Popowaschwasser kurz mal ausdrücken und dann ab in einen verschließbaren Wassereimer. Ich finde es wichtig, daß bei Stoffwindeln auf Chemie verzichtet werden kann. Und ich bin davon überzeugt, daß die natürliche Wahrnehmung des Ausscheidungsprozesses incl. nasser Windel eigentlich Positiv für die Entwicklung des Kindes ist und frühes Trocken werden fördert. Man sollte dem Kind aber vielleicht auch früh die Möglichkeit anbieten, sein Geschäft auch mal ins Töpfchen zu machen. Auch wenn es sein Pipi noch nicht anhalten kann, es reicht doch schon für ein Erfolgserlebnis, wenn es im richtigen Moment "loslassen" kann. Sollte nicht auch diese Entwicklung schrittweise erfolgen, anstatt von heut auf morgen die Windel wegzulassen oder darauf zu warten daß das Kind selbst den Wunsch äußert aufs Klo zu gehen???

von dsprite am 19.05.2010 12:43

6

Sehr gut! Also ich wickle aus Überzeugung mit Stoff. Hier mal ´ne kleine Info zur Lagerung nach Benutzung: Das Zellstoffvlies mit dem Stuhlgang kann man in der Toi runterspülen. Das Wasser fürs Popo saubermachen wird gleich noch genutzt, um die Windel mal kurz durchs Wasser zu ziehen, und dann wird sie in einen verschließbaren Eimer mit Wasser getan - total unproblematisch. Zum frühen Sauber werden: Nicht alle Mütter haben früher Druck ausgeübt! Ich viele schon erwachsene Nichten und Neffen, die liebevoll und spielerisch sehr früh ans Töpfchen herangeführt wurden, und sehr schnell trocken wurden. Die Pamperskinder der Familie haben allerdings noch seeehr lange in die Hose gemacht. Kleine Kinder können zwar noch nicht ihr Pipi anhalten, aber sehr wohl willentlich fließen lassen. Und das ist doch auch ein Entwicklungsschritt auf den die Kinder stolz sein können. Warum lassen wir unsere Kinder dann so lange mit dem Klo am Hintern rumlaufen und verweigern ihnen den Erfolg??

von dsprite am 19.05.2010 11:35

7

Also ich muss sagen ich bereue es das ich meinen Sohn nicht in Stoffwindeln wickel und jetzt noch umzusteigen weiß ich nicht ob es richtig wäre. Was für mich feststeht mein 2tes Kind wird in Stoffwindeln gewickelt kann kommen was will. Ich selber wurde in Stoffwindeln gewickelt und war (laut der aussage meiner mama) nie wund. Genauso war ich auch sehr zeitig trocken. was ich von sehr sehr vielen kinder weiß die in stoffwindeln gewickelt worden.

von TracyHoney91 am 26.01.2010 16:16

8

Toller Artikel! Hat mir sehr weiter geholfen! LG

von Amelya am 21.01.2010 21:17

9

Sicher ist es richtig, dass die Beinhaltung bei Stoffwindeln besser ist. Aber wenn man das Kind nicht im Kinderwagen fährt, sondern es im Tragetuch trägt, dann ist das wieder ein sehr guter Ausgleich dafür. Wie oft eine Mutter heute ihr Kind wickelt, ist ihr überlassen. Und es hindernt sie niemand, dass sie ihr Kind so häufig wickelt, wie wenn es Stoffwindeln tragen würde. Zu den chemischen Zusatzstoffen ist zu sagen, dass es Menschen gibt, die leben auf Müllhalden oder unter noch schlimmeren Bedingungen. Und auch diese Menschen sind noch nicht ausgestorben. Nicht, dass ich so leben wollte, aber ich denke, dass der Mensch viel mehr aushält, als man ihm heute in den Indurstrieländern zutraut. Wäre dem nicht so, dann wären wir vor langer Zeit schon ausgestorben. Und nun zum Umweltschutz. Allein die Vorstellung, die vollen Windeln zwei oder drei Tage vor dem Waschen aufzuheben, finde ich einfach nur widerlich! Also sind die Wegwerfwindeln wesentlich hygenischer!

von Kaffeekanne am 25.09.2009 17:34

10

Jetzt muss ich doch mal für die Wegwerfwindel in die Bresche springen! Ich habe meine beiden Söhne mit diesen gewickelt und hatte nie mit einem wunden Popo zu kämpfen. Das nur mal so vorn weg. Die Aussage, dass Kinder früher schneller trocken wurden, halte ich für sehr fragwürdig. Denn es ist erwiesen, dass es von der Hirnreifung abhängt, ab wann ein Kind trocken wird. Und die ist heute nicht später als damals. Man hat sicher eher mit dem Training zum Trockenwerden begonnen. Ob es aber förderlich für die Kinder war, wenn man sie so lange auf dem Topf festgebunden hat, bis sie endlich ihr Geschäft gemacht haben, wage ich zu bezweifeln. Und dass diese Methoden durchaus weit verbreitet waren, wurde mir von vielen alten Frauen bestätigt. Wenn die Kinder heute später trocken werden, dann liegt es vielleicht an uns Müttern, dass wir die Signale unserer Kinder nicht wahrnehmen. Mein Großer ist diesen Sommer von ganz alleine und ohne Druck sauber geworden. Mit 2,5 Jahren.

von Kaffeekanne am 25.09.2009 17:25


quelle » Dr. Gerhard Oellinger für Mamiweb

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