Schwiegerelternrituale


Bevor auch nur ein falscher Verdacht aufkommt: Ich liebe meine Schwiegereltern! Wirklich, sie sind Unikate, die man einfach gern haben muss! Aber sie treiben einen, liebevoll, auch in den Wahnsinn.

Für ihre Familie gehen sie, soweit das eben mit achtzig Jahren noch möglich ist, durchs Feuer. Und natürlich habe auch ich meine Debatten über "modernere" Erziehungsmethoden mit meiner Schwiegermutter, aber sie hört zu, nimmt meine Argumente an und sagt oft genug: "Das klingt besser, als das, was man uns früher riet". Was ich aber am meisten an meinen Schwiegereltern schätze, ist diese unnachahmliche Art, mit der sie uns jedes Mal zum Lachen bringen - wenn auch unabsichtlich.

Es war an einem Samstag mitten im Winter und wir kämpften uns über schlecht geräumte Gehwege durch meterhohe Schneewehen zum Kaffeekränzchen bei den Schwiegereltern. Ungeduldig warteten sie bereits, Vater schimpfte ein wenig, ganz nach seiner Art als grummeliger, alter Harzer, dass man uns praktisch schon direkt nach dem Mittag erwartet habe und er schon dachte, er müsste nun zwei Torten allein essen.

Genau diese beiden Torten standen als Eisbombe oder liebevoll auch "Halbgefrorenes" genannt auf dem Tisch und sahen nicht einmal so aus, als hatten sie vor, in den nächsten Stunden überhaupt aufzutauen, geschweige denn schlecht zu werden.

Dann wurde Vaters berühmt-berüchtigter Kaffee in die Tassen portioniert. Während nun das Kaffeegebräu meines Schwiegervaters langsam aus der Kanne in meine Tasse floss - und wir reden hier nicht vom Aggregatzustand flüssig - ich tapfer diese Koffeindröhnung schluckte, erinnerte ich mich an eine nette Anekdote aus der Jugendzeit meines Mannes.

Er bekam morgendlich seinen Kaffee, aber nur mit einem Schuss frischer Sahne. Argument seiner Eltern: Dann wäre das nicht so schädlich! Ich fragte meinen Mann, warum er dann überhaupt Kaffee bekommen hätte, woraufhin er meinte, das passende Argument der Eltern war: Kaffee gehört dazu und muss sein!

Missmutig rümpfte mein Schwiegervater die Nase, als ich Zucker in meinen Kaffee schaufelte, hat er es doch noch immer nicht aufgegeben, mir zu erklären, dass es gegen jegliche gute Sitten spricht, wenn ich meinen Kaffee mit Zucker trinke. Milch wäre genehmigt, Zucker hingegen ein Verbrechen.

Beim Anblick der Caprisonne, die, trotz tropischer Wohnungstemperaturen, immer noch ins Warmwasserbad gestellt wurde, bevor Emily davon trinken durfte, während Mutter allerdings eine halbe Sahnetorte in das Kind stopfte, die noch komplett gefroren war, weil grundsätzlich Tiefkühltorten erst 10 Minuten vor dem Verzehr aus dem Kühlfach genommen werden, verkniff ich mir ein allzu breites Schmunzeln.

Plötzlich fing es im Buffet hinter meinem Mann an zu piepsen. Immer lauter, immer hysterischer. Der Wecker! Mein Mann wollte ihn ausmachen, was nun aber von seiner Mutter verhindert wurde. "Junge, nicht, dass macht der Wecker immer." "Ja, Mutter, das glaube ich Dir ja, aber er macht das, weil ihn niemand ausstellt! Warum klingelt der überhaupt um die Zeit?"

Hier geht´s weiter:


Dein Kommentar

noch 1000 Zeichen.

Magazin durchsuchen

Verlinke mich

Mamis berichten

Kolumne: Chaosbande

Im Mamiweb kennt man mich als "Moppelchen71". Das Schreiben ist meine Leidenschaft, wie man an vielen meiner Beiträge sehen kann. Bekannter wurde ich durch die Erlebnisse um und mit meine ..
quelle

Magazin durchsuchen

Verlinke mich

Mamis berichten

Kolumne: Chaosbande

Im Mamiweb kennt man mich als "Moppelchen71". Das Schreiben ist meine Leidenschaft, wie man an vielen meiner Beiträge sehen kann. Bekannter wurde ich durch die Erlebnisse um und mit meine ..
uploading