Eine Fehlgeburt ist ein äußerst schmerzliches Erlebnis, mit dem jede Frau anders umgeht. Während die eine längere Zeit braucht, um den Verlust ihres Kindes zu verarbeiten, wünscht sich die andere, gerade möglichst schnell wieder schwanger zu werden. Doch wann ist das nach einem vorangegangenen Abort überhaupt wieder möglich? Viele Frauen sehen sich bei dieser Frage mit äußerst widersprüchlichen Aussagen konfrontiert. Im Zweifelsfall ist es hierbei oft das beste, wenn Du auf die Zeichen Deines eigenen Körpers hörst.
Viele Frauenärzte
empfehlen nach einer Fehlgeburt, vor allem wenn dabei eine
Ausschabung vorgenommen wurde, bis zur nächsten Schwangerschaft
mindestens 3 Monate zu warten. Manche Mediziner raten sogar zu sechs Monaten Wartezeit.
Dabei weisen sie vor allem darauf hin, dass sich der Körper erst wieder von den
Veränderungen der ersten Schwangerschaft erholen müsse. So
muss sich die vergrößerte Gebärmutter zurückbilden und die
Hormonumstellung verkraftet werden. Allerdings ist dies oftmals
bereits nach einem Monat der Fall und eine neue Schwangerschaft kann
theoretisch schon nach nur einem Monatszyklus mit abschließender
Regelblutung eintreten.
Nach einer ersten
Fehlgeburt liegt das Risiko eines erneuten Aborts grundsätzlich
bei
24 Prozent. Es ist jedoch nicht erwiesen, dass der Zeitpunkt der
nachfolgenden Schwangerschaft Einfluss darauf hat, ob diese in einer
erneuten Fehlgeburt endet. Im Gegenteil. So konnte eine
Studie der Universitätsfrauenklinik Zürich mit dem alten Vorurteil
aufräumen, dass Frauen, die zu früh nach einem erlittenen Abort
wieder schwanger werden, ein höheres Risiko haben, ihr Kind erneut zu
verlieren. So kam die Schweizer Studie zu dem Ergebnis, dass unter
den Frauen, die weniger als 3 Monate gewartet hatten, ehe sie erneut
schwanger wurden, nur jede fünfte ihr Kind erneut verlor. Bei den
Frauen, die zwischen 3 Monate und ein Jahr bis zur nächsten
Schwangerschaft gewartet hatten, hatte ebenfalls durchschnittlich
jede fünfte eine zweite Fehlgeburt. Dies zeigt vor allem, dass
Frauen, die nach einem Abort schneller als empfohlen erneut schwanger
geworden sind, sich keinesfalls mit Schuldgefühlen belasten dürfen,
falls sie dieses Kind wieder verlieren.
Auch das Argument, eine
Frau müsse sich emotional erst wieder stabil genug fühlen, ehe sie
sich nach einer Fehlgeburt
ohne ständige Angst auf eine neue
Schwangerschaft einlassen könne, hat nur eingeschränkte Gültigkeit.
So weisen Kritiker darauf hin, dass es für eine Frau mit starkem
Kinderwunsch viel belastender sein könne, wenn sie gegen ihren
Willen mehrere Monate verhüten muss, ehe sie ihre Hoffnung auf eine
neue Schwangerschaft richten darf.
Liegen allerdings
offensichtliche Gründe für die Fehlgeburt vor, sollte man alles
daran setzen, diese Auslöser bei der nächsten Schwangerschaft
auszuschließen. So muss eine bakterielle Infektion, die zu einer
Fehl- oder Totgeburt geführt hat, auf jeden Fall hundertprozentig
ausgeheilt sein. Wenn Hormonstörungen oder andere organische
Ursachen vorliegen, sollten diese auf jeden Fall im Vorfeld
entsprechend behandelt werden.
Wurden Faktoren dieser Art
ausgeschlossen, spricht prinzipiell nichts dagegen, relativ schnell
wieder schwanger zu werden. Viel wichtiger als das Abwarten einer
exakten Anzahl von Wochen ist im Zweifelsfall, ob die Frau sich
seelisch bereits wieder stark genug fühlt, um sich gelassen auf eine
neue Schwangerschaft einlassen zu können. Vielleicht wird dies
ohnehin erst nach 3 oder 6 Monaten der Fall sein. Geschieht es
früher, ist es vor allem wichtig, sich ohne Selbstzweifel darauf
einzulassen und die Angst nicht zum beherrschenden Faktor werden zu
lassen. Oftmals weiß der Körper selbst am besten, wann er für eine
neue Schwangerschaft bereit ist und wird diese auch erst zu diesem
Zeitpunkt zulassen.
Eine Ausnahme sind Fälle,
in denen eine Fehl- oder Totgeburt aufgrund von Komplikationen nicht
auf natürlichem Wege ausgetragen wurde, sondern
per Kaiserschnitt
entbunden werden musste. Ärzte raten hier, mit einer erneuten
Schwangerschaft mindestens 6 Monate, wenn eine vaginale Geburt
angestrebt wird, sogar ein komplettes Jahr zu warten. Da bei einer
Schwangerschaft das Gewebe am Bauch stark strapaziert wird, besteht
sonst die Gefahr, dass die Narbe nachgeben und an dieser Stelle ein Uterus-Riss eintreten könnte. Diese Gefahr besteht bereits während
der Schwangerschaft, besonders aber durch die Strapazen einer
natürlichen Geburt. In diesem zwar relativ seltenen aber nicht
völlig auszuschließenden Fall besteht akute Lebensgefahr für
Mutter und Kind. Kommt dennoch früher als geplant eine neue
Schwangerschaft zustande, ist es daher meist sicherer, für die
Geburt einen erneuten Kaiserschnitt einzuplanen.
[BS]