Rauchen schadet der Gesundheit, das ist allgemein bekannt. Allerdings ist für den eigenen Körper prinzipiell jeder selbst verantwortlich. Das gilt jedoch bei Frauen nur so lange, bis sich eine Schwangerschaft einstellt. Denn ab diesem Zeitpunkt gilt: Kind raucht mit! Tatsächlich versorgt eine Schwangere ihr Ungeborenes über die Nabelschnur nicht nur mit allen lebenswichtigen Nährstoffen und Vitaminen, sondern sie kann ihm durch fahrlässiges Verhalten auch aktiv schaden. Doch trotz verstärkter Aufklärungskampagnen unterschätzen noch immer viele werdende Mütter die gesundheitsschädigende Wirkung von Zigarettenkonsum in der Schwangerschaft.
Laut einer Studie der
Universität Greifswald rauchten 24 Prozent der befragten Frauen im
4. Schwangerschaftsmonat, vor der Geburt waren es immer noch 21
Prozent. Bei einem Raucherinnenanteil von 47 Prozent heißt das, dass
nur etwa die Hälfte der Raucherinnen in der Schwangerschaft das
Rauchen aufgegeben hatte.
Dabei nehmen Schwangere mit jeder Zigarette in Kauf, die
Gesundheit ihres Kindes zu gefährden. Raucht die Mutter nur etwa zehn Zigaretten pro Tag, wird das Ungeborene im Lauf von neun Monaten
gezwungen, den Rauch von mehr als 2700 Zigaretten aufzunehmen, noch
ehe es den ersten eigenen Atemzug getan hat. Dies kann gefährliche
Folgen haben:
So enthält
Zigarettenrauch zuerst einmal viele schädliche oder gar
krebserregende Stoffe, die
über die Nabelschnur in den Blutkreislauf
des Babys gelangen. Zum anderen führt Nikotin in mehrfacher Hinsicht
zu einer deutlich schlechteren Sauerstoff- und Nährstoffversorgung
des Kindes im Mutterleib. Denn zum einen verdrängt das Kohlenmonoxid
im Rauch im Blut der Mutter Sauerstoff, der das Kind so nicht
erreichen kann. Zum anderen verengen sich durch den Nikotinkonsum die
Gefäße im Kapillarbereich und in der Plazenta, was ebenfalls die
Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Babys nachhaltig erschwert.
Hierdurch kommen die
Kinder von Raucherinnen nicht nur häufig
kleiner und leichter zur
Welt, eine schlechte Sauerstoffversorgung im Mutterleib kann sich
auch mindernd auf die Intelligenz auswirken. Sprach- und
Verhaltensstörungen sowie Lernschwierigkeiten treten bei Kindern von
Raucherinnen deutlich häufiger auf. Eine neuere Studie legt sogar
die Vermutung nahe, dass Kinder starker Raucherinnen aufgrund von
pränatalen Hirnschädigungen im späteren Leben
ein höheres
Kriminalitätspotenzial aufweisen könnten. Kinder von rauchenden
Müttern weisen außerdem häufiger Geburtsdefekte wie Lippen- oder
Gaumenspalten auf.
Da Nikotin die
Durchblutung des Mutterkuchens schädigt und damit auch zu dessen
vorzeitiger Ablösung führen kann, erhöht sich zudem während der
Schwangerschaft
das Risiko von Fehl- und Totgeburten. Bereits zehn Zigaretten pro Tag erhöhen das Risiko einer Fehlgeburt um 46
Prozent. Auch Frühgeburten durch vorzeitige Plazentablösung kommen
häufiger vor.
Darüber hinaus bleibt
Rauchen während der Schwangerschaft auch nach der Geburt nicht ohne
Folgen. So haben die betroffenen Kinder
später ein deutlich höheres
Allergie- und Asthmarisiko sowie eine allgemein stärkere
Anfälligkeit für Krankheiten und Infekte. Außerdem erhöht Rauchen
das Risiko des Kindes, am gefürchteten plötzlichen Kindstod (
Sudden
Infant
Death
Syndrome=SIDS) zu sterben um ein
Vielfaches.
Neuere Erkenntnisse deuten
darauf hin, dass dies unter anderem mit bestimmten körpereigenen
Hormonen, sogenannten Katecholaminen, zusammenhängt. Diese haben
eine anregende Wirkung auf das Herz- Kreislaufsystem und steuern
bestimmte körpereigene Schutzmechanismen. Wichtig ist zum Beispiel
der Reflex, bei Atemnot im Schlaf automatisch den Kopf zu drehen, um
ein Ersticken zu verhindern. Die Katecholamine kann der Körper des
Kindes erst eine Zeit nach der Geburt selbst bilden. Offenbar hemmt
Nikotin aber den Reifungsprozess, der das Baby dazu befähigt, selbst
diese Hormone zu bilden und auszuschütten. Damit verlängert sich
für das Baby einer Raucherin die Phase, in der das Alarmsystem des
Körpers noch nicht funktioniert und
SIDS-Gefahr besteht.
Unterschätzt wird oftmals
auch die Gefahr, die Passivrauchen für das Kind sowohl während der
Schwangerschaft als auch nach der Geburt bedeutet. Doch auch der
Nebenstromrauch, der
im Umfeld von aktiven Rauchern entsteht, gelangt
in den Blutkreislauf von Mutter und Kind und ist somit schädlich.
Schwangere sollten daher auch verqualmte Lokalitäten meiden und ihr
nächstes Umfeld, also Partner, Familie und Freunde, darum bitten zum
Rauchen vor die Tür zu gehen. Auch nach der Geburt des Kindes sollte
nach Möglichkeit auf Rauchen in der Wohnung verzichtet werden, da
auch dies das SIDS-Risiko ansteigen lässt.
[BS]