Eben war da doch noch das kleine, hilflose Kind, das Mama und Papa
brauchte, so schutzbedürftig war und dem man versuchte alles
beizubringen, was es braucht, um später im Leben bestmöglich bestehen
zu können und nun scheint eben dieses Kind die Führsorge und Zuneigung
der Eltern abzulehnen.
In Wirklichkeit macht das der Teenager gar
nicht so schlimm, wie es auf die Eltern wirkt, aber je verstärkter der
Jugendliche sich abzunabeln versucht, desto mehr neigen Eltern dazu, diesen
Schritt hinauszuzögern.
Natürlich ist den Eltern klar, dass sie das
Erwachsenwerden ihres Kindes nicht verhindern können, aber ein wenig
Hoffnung keimt doch in ihnen, irgendwie den Moment zu verzögern, in dem
ihnen unmissverständlich bewusst wird, dass ihr Kind den wohlbehüteten
Schutz eigentlich nicht mehr braucht.
Es ist fast so, als
glauben Eltern, wenn sie die Abnabelung zulassen, verlieren sie
jegliche Bindung zu ihrem Kind. Dies wird natürlich nicht der Fall
sein, denn auch später, wenn das eigene Kind vielleicht selbst schon
Familie hat, wird es immer noch Vater und Mutter als die Menschen
ansehen, bei denen es Geborgenheit, Verständnis und Liebe findet.
Eltern,
die sich ganz bewusst vor Augen halten, dass es auch auf ihre
Mitwirkung ankommt, wie gut das eigene Kind mit dem Erwachsenwerden
fertig wird und sich selbst hinterfragen, was sie tun können, um dem
Jugendlichen bestmöglich zu unterstützen, gehen damit bereits einen
wichtigen Schritt auf das Kind zu, denn sie werden weniger klammern
oder das Kind blocken, sondern vielmehr in Einzelsituationen über
Lösungswege nachdenken, die das Abnabeln für beide Seiten erträglicher
macht.
Loslassen können, heißt das Motto, manchmal die eigene
Neugier bekämpfen und nicht bereits in der Tür alles wissen wollen, was
das Kind beim Ausgang erlebt hat. Teenager brauchen auch ihre kleinen Geheimnisse, die die Eltern als Privatsphäre respektieren sollten.
Natürlich
möchte man sein Kind nach wie vor schützen, jedoch darf das nicht in
Kontrollwahn ausarten, denn dadurch entwickelt sich erst recht eine
Distanz, die das Vertrauen des Heranwachsenden zu den Eltern gänzlich
zerstören kann.
Ein Kind, das Hilfe von den Eltern bekommt, sich
abzunabeln, wird weniger gegen diese rebellieren. Es wird sich
vertrauensvoller an die Eltern wenden, wenn es Sorgen und Nöte hat und
verständiger auf Argumentationen reagieren.
Dies kann Spannungen
verhindern, bevor sie entstehen und so mancher Jugendliche hat es gar
nicht so eilig, sich von den Eltern zu distanzieren, wenn er weiß, dass
diese seine Selbstständigkeit fördern.
[SyKo]