Die Hygienestandards im öffentlichen und privaten Bereich haben in den letzten Jahrzehnten immer mehr zugenommen. Das Ziel ist natürlich, durch mehr Hygiene die Menschen vor Erkrankungen zu schützen. Jedoch steigt mit zunehmender Hygiene auch die Zahl der Kinder an, die an einer Allergie leiden. Denn Kinder brauchen eine gewisse Belastung an Keimen, um ein gesundes Immunsystem aufbauen zu können. Diese Tatsache wurde durch Studien bestätigt, die mit Bauernhofkindern gemacht wurden. Bauernhofkinder leiden wesentlich seltener an Allergien. Die Ergebnisse sind so verblüffend, dass inzwischen schon von einer "Bauernhofimpfung" gegen Allergien gesprochen wird.
Welche Rolle spielt Hygiene bei der Entstehung einer Allergie?
Bei einer Allergie handelt es sich um eine überempfindliche Abwehrreaktion gegen Substanzen, die eigentlich harmlos sind, wie Umweltstoffe, Lebensmittel, Staub oder Pollen. Das kindliche Immunsystem muss durch Berührung mit Keimen aus seiner Umgebung stimuliert werden und so ein stabiles Abwehrsystem aufbauen können. Wenn durch hohe Hygienstandarts die Umgebung keimarm ist, beginnt das kindliche Immunsystem sich auf harmlose Substanzen zu konzentrieren. Das heißt, in einer keimarmen Umgebung werden die Weichen für allergisches Verhalten schon im Babyalter gelegt.
Die Bauernhofimpfung
Bei Untersuchungen im deutschsprachigen Raum wurde festgestellt, dass Bauernkinder, deren Mütter in der Schwangerschaft regelmäßig im Stall waren und nach der Geburt von der Mutter mit in den Stall genommen wurden, deutlich seltener Allergien und Asthma haben. Vor allem der Aufenthalt im Kuhstall, Kontakt mit Schweinen, Hühnern und Füttermitteln sowie das Trinken von frischer Kuhmilch, verringern das Risiko für die Entstehung einer Allergie.
Eine gesicherte Erklärung für dieses Phänomen gibt es nicht, aber die schützende Wirkung wird möglicherweise durch den frühen Kontakt mit Tierallergenen und Bakteriengifte aus dem Stall hervorgerufen. Die internationale Allergy und Endotoxon Gruppe (ALEX) kam in einer Studie zu dem Ergebnis, dass das Immunsystem besonders trainiert wird, wenn die Kinder ständig mit Stallkeimen konfrontiert werden. Das Immunsystem wird dadurch toleranter und schaltet quasi ab.
Bei Untersuchungen an Mäusen konnte belegt werden, dass durch eine Behandlung mit Staub aus dem Kuhstall die Mäuse vor einer Allergieentwicklung geschützt sind. Diese Ergebnisse legen die ersten Weichen für eine mögliche Impfung gegen Allergien.
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