Stillen ist die Beste Wahl für Baby
Schon sehr früh in einer Schwangerschaft beginnt sich die weibliche Brust auf ihre bevorstehende Aufgabe, die Ernährung eines Babys, einzustellen. Einige Frauen bemerken bereits in den allerersten Schwangerschaftswochen ein Spannungsgefühl in den Brüsten, was für manche überhaupt das erste Anzeichen einer bestehenden Schwangerschaft ist. In späteren Monaten, nachdem die Brust sich bereits deutlich vergrößert hat, tritt oftmals erste Flüssigkeit aus den Brustwarzen aus. Ist das schon die richtige Milch, fragen sich dann viele Frauen. Und wenn ja, warum bildet sie sich schon in der Schwangerschaft?
Schon recht früh zu
Beginn einer Schwangerschaft vermehren sich in der weiblichen Brust die
milchbildenden und milchführenden Drüsen. Dafür verantwortlich ist der Einfluss des
Plazentahormons Progesteron. Schwangere bemerken daher zuerst, dass
ihre Brust langsam größer und praller wird. Um die 400 Gramm
gewinnen die Brüste durch das Wachsen der Milchdrüsen im Verlauf
der Schwangerschaft an Gewicht hinzu. Gleichzeitig wird im
Hypothalamus das Milchbildungshormon Prolaktin gebildet, das während
der gesamten Schwangerschaft im Körper vorhanden ist. Ab der zweiten
Schwangerschaftshälfte sind die Milchzellen in der Brust komplett
funktionsfähig und die Frau könnte theoretisch schon stillen. Allerdings hemmt das Progesteron im Körper der Frau noch die
Aktivierung des Prolaktins und damit auch die Milchproduktion. Erst mit
dem Ausstoß der Plazenta bei der Geburt sinkt der Progesteronspiegel
dann rapide ab und das Prolaktin kann in vollem Umfang freigesetzt
werden. Der Körper versteht das als Signal, dass das Kind nun
geboren ist und Milch zum Stillen benötigt wird. Obwohl das Kind
sofort zum Trinken angelegt werden sollte, nimmt der Körper die
Milchproduktion meist erst ab dem zweiten oder dritten Tag nach der
Geburt in vollem Umfang auf. Trotzdem haben viele Frauen schon ab dem fünften oder sechsten Monat regelmäßigen Milchfluss. Bei manchen sind es nur
einige, wenige Tropfen, andere laufen regelrecht über und müssen
Stilleinlagen im BH benutzen. Der Ausfluss dieser so genannten
„Vormilch“ (Kolostrum) ist unbedenklich und zeugt lediglich
davon, dass die Brust sich auf die Stilltätigkeit vorbereitet. Ob in
der Schwangerschaft Vormilch austritt oder nicht und in welchem
Umfang diese produziert wird, hat keinen Einfluss auf die spätere Milchproduktion in der Stillzeit. Wird das Baby nach der Geburt
zum ersten Mal angelegt, stimuliert der Saugreflex den Milchfluss der Mutter. Die zu Anfang produzierte „Vormilch“ ist übrigens
noch keine richtige Milch, sondern eher eine gelbliche, etwas zähe
Flüssigkeit, die sehr eiweißreich ist und wichtige Immunstoffe für das Kind enthält. Je häufiger das Baby an der Brust
angelegt wird, desto stärker ist die Milchproduktion. Bei manchen
Frauen genügt bereits das Weinen eines Babys oder der Gedanke an das
eigene Kind, um den Milchfluss in Gang zu bringen.
Stillen ist übrigens auch
unabhängig von einer Schwangerschaft oder Geburt möglich, zum
Beispiel wenn eine Frau ein fremdes Kind stillen möchte. Bei dieser
so genannten „Induktion der Milchbildung“ wird durch dauerhafte,
mechanische Stimulation der Brustwarzen die Ausschüttung der für
die Milchproduktion und den Milchfluss zuständigen Hormone Prolaktin
und Oxyticin in Gang gebracht. Je nach Frau kann nach einigen Tagen
oder auch erst einigen Monaten auf diesem Wege Milch gewonnen werden.
Bei Frauen, die schon einmal schwanger waren, kann der Milchfluss auf
diese Weise schneller ausgelöst werden.
» Dr. Gerhard Oellinger für Mamiweb