Mein Kind lügt
Fast alle Eltern sind irgendwann in der Situation, ganz offensichtlich von ihrem Kind
belogen zu werden. Das Gesicht ist verschmiert von Schokolade und doch behauptet unser Nachwuchs inbrünstig, dass irgend jemand anderes die Süßigkeit gegessen hat. In der Hand hält es noch den Kopf der Kristallfigur, die wir so liebten, doch das Kind bestreitet, die Figur auch nur angesehen zu haben.
An vielen Stellen des Alltags kann uns
die erste Lüge begegnen und meist sind wir traurig, vor allem aber enttäuscht, dass unser Kind uns nicht die Wahrheit sagt. Sind wir so wenig vertrauenswürdig für unser Kind? Oder ist unser Kind gar ein bösartiger Mensch? Viele Fragen schießen uns durch den Kopf, gepaart von einem Gefühl des Versagens. Und genau dann beginnen wir Eltern meist unsere eigenen Fehler zu übersehen.
Zuerst einmal sollten wir wissen, ab wann ein Kind in der Lage ist, bewusst und mit Hintergedanken zu lügen. Diese Fähigkeit beginnt in etwa mit dem Schulalter und tritt auch nicht von heute auf morgen auf. In einem langen Lernprozess, vor allem aber aus dem Verhalten seiner Umwelt, lernt das Kind.
Wir Eltern prägen dabei die Kinder, unsere Reaktionen und Verhaltensweisen geben ihnen die Grundlage für diese Entwicklung. Das heißt nun nicht, dass wir erst mit dem Schulalter beginnen sollen, unseren Kindern zu vermitteln, wie wertvoll es ist, die Wahrheit zu sagen. Nein, unsere Wahrheitserziehung sollte unbedingt viel früher beginnen. Ertappen wir das Kind beim Lügen, dann ist unsere Reaktion darauf prägend für die weitere Entwicklung.
Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Kind lügt. Manchmal kann es der Wunsch nach Aufmerksamkeit sein. Auch wenn wir fest davon überzeugt sind, dass wir uns dem Kind bestmöglich widmen. Doch nicht wir entscheiden über das Maß an Aufmerksamkeit, das unser Kind braucht. Es selbst verspürt aus seinem Bauchgefühl heraus, ob es sich in bestimmten Situationen einsam fühlt. Dabei kann es zu haarsträubenden Geschichten kommen, die uns die Kleinen dann auftischen. Etwa von besonderem Luxus, in dem die Familie angeblich lebt bis hin zu angeblich verstorbenen Menschen. Nicht selten ruft eine Lehrerin bei der Familie des Kindes an, um zu kondolieren und erfährt dann von der verdutzten Mutter, dass sich der Verstorbene bester Gesundheit erfreut.
Die Kinder erzählen solche Lügen nicht, um jemanden etwas Schlechtes zu wünschen. Sie haben vordergründig den Wunsch nach einer liebevoll tröstenden Umarmung, nicht mehr und nicht weniger. Dann zu schimpfen und dem Kind klar zu machen, wie enttäuscht man von ihm ist, wäre ein fataler Fehler. Denn mit dieser Reaktion entzieht man ihm noch mehr das, wonach es sich so sehr sehnt. Besser wäre, das Kind zu umarmen, festzuhalten und in Ruhe mit ihm zu sprechen. Wir müssen dem Kind deutlich machen, wie sehr wir es lieben und dass wir uns erschrocken haben als wir von der Lüge erfuhren. Das Gespräch sollte nicht im Vorwurfston geführt werden, sondern auf Basis gegenseitigen Respektes und Verstehens.
Ein weiterer Grund zu lügen, könnte Furcht oder Scham sein. Das Kind hat vielleicht etwas ausgefressen und es spielt dabei keine Rolle, ob dabei Absicht oder Versehen im Spiel war. Wir Eltern sollten uns einzig der Frage widmen, was unser Kind davon abhält, die Wahrheit zu sagen. Hat es vielleicht Angst vor unserer Reaktion? Eine Strafpredigt kann ebenso schmerzhaft für die Seele des Kindes sein wie körperliche Schläge. Der Satz “Ich bin so enttäuscht von Dir” baut eine Distanz zwischen Eltern und Kind auf. Wie können wir, aus Sicht des Kindes betrachtet, dass sich weggestoßen fühlt, erwarten, dass es die Wahrheit sagt?
In diesem Artikel:
Seite 1:
Warum lügen Kinder?
Seite 2:
Was können Eltern gegen Lügen tun? Kommentare
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Oder wenn etwas zerbrochen wurde:
Es ist nicht schön, aber uns geht auch Mal etwas zu Bruch. Lieblingsstück? Erbstück? Kaputt ist kaputt und wenn man Kinder anschreit, verunsichert man diese umso mehr.
Stattdessen würde ich raten, sich mit dem Kind neben die Scherben zu setzen und zu lächeln. Sagen, das Ding wäre doch eh häßlich gewesen. Man streichelt dem Kind über den Kopf und sagt, dass wenn Mal etwas kaputt geht, es nicht schlimm ist, aber besser wäre es, wenn man direkt sagt, dass etwas kaputt ist, weil Scherben auch 'Aua' machen können. Wenn man sagt, dass auch Mama und Papa Mal etwas ausversehen kaputt machen oder kaputt gemacht haben.
Ich finde, man sollte dem Kind nie vermitteln, dass etwas so banales Schreie Wert sind.
Etwas lockerer nehmen. Gegenstände sind ersetzbar, die Psyche des Kindes bzw. das Vertrauen des Kindes hingegen nicht.
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@funfair
Schläge!? Also dann würde ich aber dringend handeln!
Wir leben nicht mehr im Mittelalter und Schläge machen die Sache nur noch schlimmer.
Was man auch dagegen tun kann, wäre zum Beispiel, wenn man sieht, dass das Kind Schokolade genascht hat und es dann verheimlicht, man lächelt, holt noch etwas Schokolade und verputzt sie mit dem Kind dann gemeinsam und sagt aber auch mit einem Lächeln, dass das Kind doch nur fragen müsse oder einfach sagen soll, dass es Schokolade gegessen hat, denn vielleicht will Mami auch ein kleines Stück.
(Teil 2 kommt)
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Das Problem bei manchen Kindern ist einfach nur, dass sie sich nicht die Wahrheit sagen trauen weil sie danach einfach nur noch mehr geschimpft werden könnten.
Ich sehe das bei meinem Sohn sehr gut.
Er lügt teilweise wie gedruckt, doch der Vater steht daneben, und wenn der das merkt gibts Schreiereien und sogar Schläge. :-(
Ich hingegen versuche mit dem Jungen dann eher ruhig drüber zu reden und erkläre ihm auch die Konsequenz vom Lügen, dass es nicht gut ist.
Das Problem dabei ist, dass er beim Vater wohnt, und der ihn nun mal leider nicht erziehen kann.
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also meine Jule steht mit ihren 3Jahren vor mir und lügt wie gedruckt- ohne rot zu werden....
das Beispiel mit dem schokoverschmierten Mund kommt mir seeehr bekannt vor