Kostümfrage

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Foto: Anja Greiner Adam / Fotolia.com
Prinzessin Romy

Es ist soweit, das erste Fasching für unsere kleinen Kröten Emmy und Romy steht bevor. Im letzten Jahr war Romy noch zu klein, doch dieses Jahr, so beschloss ich, sollte es zur einzigen offiziellen Kinderfaschingsfeier in unserem Ort gehen. Austragungsort: Unsere Stadthalle, auf deren Bühne schon unzählige große Schauspieler standen und die in der Zeit zwischen den Theaterstücken eine Turnhalle ist. Bei uns weiß man eben noch, was Doppelnutzung ist!

Hunderte von Kindern stürmen an diesem einen Tag die Sääle, vollziehen akrobatische, wilde Sprünge, die sie dann als neueste Tanzschritte deklarieren, bewerfen sich mit Schokoküssen und Würstchen, bespritzen sich mit Erfrischungsgetränken, während lethargisch wirkende Eltern dazwischen herum torkeln und eigentlich nicht mehr nach ihrem eigenen Kind suchen, sondern schon froh sind, überhaupt ein Kind zu fassen zu bekomm
Ich erinnere mich gern, als ich damals im zarten Kindesalter dort jährlich mein neuestes Kostüm vortrug. Bis zur Stadthalle schritt ich hoheitsvoll, achtete darauf, dass keine Schneeflocke den Stoff benetzte und benahm mich die erste Zeit auf der Feier vorbildlich. Das waren in etwa drei Minuten, dann war es vorbei mit Zurückhaltung und ich stürzte mich ins Getümmel. Wenn dann, gegen Ende der Veranstaltung, auch noch die drei „besten“ Kostüme prämiert wurde, und ich schwöre, die Punktrichter müssen blind gewesen sein, drehten etwa 200 nicht gewählte Kinder noch einmal völlig auf und verwandelten die Halle in ein Trümmerfeld aus Dekorationsfetzen und Resten der kulinarischen Versorgung. Und genau das wollte ich mir dieses Jahr wieder antun, diesmal jedoch aus der Sicht leidgeprüfter Eltern. Nur war ich mir darüber im ersten Moment noch gar nicht im Klaren und kam erst durch meinen Mann darauf.

So erzählte ich ihm von meinem Plan und schwärmte, wie sich doch unsere Mädchen amüsieren würden, als er mit geweckter Neugier nach Details fragte. Erschüttert sah ich ihn an „Wie? Du warst dort nie beim Fasching?“„Ach, weißt Du,“ antwortete er „das war noch nie recht mein Ding. Meist wählte meine Mutter irgendwelche Kostüme aus, in die sie mich stopfte und wenn ich die einmal in der Schule tragen musste, reichte mir das völlig.“ Ich war entsetzt! Als Enkelin einer Vollblut-Rheinländerin einen faschingsmüden Mann zu haben, das war ja fast so wie als Kannibale einen Vegetarier zu heiraten. Aber mein Mann war schon immer sehr lernbegierig und flexibel. Bevor ich empört Näheres über seine Karnevalsfaulheit erfragen konnte, schwärmte er schon los, wie toll es doch werden würden, mit unseren Prinzessinnen ....! Damit standen dann auch schon die Kostüme fest.

Natürlich würde unsere Enkelin Zoe auch als Prinzessin gehen wollen und als sie an einem Wochenende bei uns schlief und wir uns über ein mögliches Kleid unterhielten, rief sie verzückt „Ich möchte eine rosa Prinzessin sein!“ Alles klar, notiert. Emmys prompter Kommentar: „Dann will ich eine lila Prinzessin sein!“ Ebenfalls notiert. Alle Augen richteten sich auf Romy, die uns anstarrte, als wüsste sie nicht, was wir nun von ihr erwarteten. Mit gezücktem Stift überm Notizblock fragte ich: „Und was für eine Prinzessin möchtest Du sein?“ Ihre Antwort war kurz und knapp: „Ja, Zensessin!“ Super, das verschaffte uns Spielraum und wir entschieden uns für hellblau. Schon bald waren auch die passenden Kleider gefunden, die nicht nur wesentlich schöner als sonst zu kaufende Prinzessinnenkleider waren, sondern auch noch um einiges günstiger. Blumenmädchenkleider, wie sie schöner nicht sein könnten, für die kleinen Prinzessinnen!

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