Auch bei unseren Nachbarn in der Schweiz trägt die familienergänzende Kinderbetreuung einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung berufstätiger Eltern bei. Gab es statistisch gesehen im Jahr 2001 noch in drei von zehn Haushalten ein jüngstes Kind unter 15 Jahren, lag die Zahl 2009 schon auf vier von zehn. Dieser Anstieg bei minderjährigen Kindern schlägt sich besonders in der Nutzung institutionalisierter Einrichtungen wie Kinderkrippen, Tagesschulen, Mittagstischen oder der Betreuung nach der Schule nieder.
So nehmen 38 Prozent der Schweizer Paarhaushalte und 54
Prozent der Alleinerziehenden mit Kindern unter 15 Jahren Kinderbetreuung in Anspruch. Ist das jüngste Kind unter sieben
Jahren alt, sind es sogar 52 respektive 70 Prozent. Wobei der größte
Anteil an Betreuungstagen pro Woche aufgrund ihrer höheren
Erwerbsbeteiligung von Alleinerziehenden beansprucht wird. Ein
Fünftel der Paarhaushalte mit Kindern nutzt die Kinderbetreuung bis
zu einem Tag in der Woche, ein Sechstel dagegen mehr als einen Tag
pro Woche.
Bei den Betreuungseinrichtungen gibt
es sowohl in deren pädagogischer Ausrichtung als auch Terminologie
eine große Vielfalt an Angeboten. Der Verständlichkeit halber
lassen sich drei Kategorien der Betreuung unterscheiden:
Kindertagesstätten, Tagesfamilienbetreuung und
schulergänzende Betreuung.
Unter den
Begriff Kindertagesstätten fallen alle Betreuungsarten für Kinder
im Vorschulalter (null bis sechs Jahre), also Krippen, Horte,
Kinderhütedienste und dergleichen. Unterschiede gibt es hier vor
allem in den Öffnungszeiten und der allgemeinen Struktur. Während
Kinderhütedienste höchstens eine Halbtagesbetreuung anbieten,
sollen Krippen erwerbstätigen Eltern ermöglichen, Kind und Beruf
unter einen Hut zu bringen. Sie bieten daher eine tägliche Betreuung bis zu 12
Stunden an. Bei anderen Formen wird besonderer Wert auf die
Sozialisation der Kinder gelegt.
Weitere
Unterschiede ergeben sich auch beim Thema Aufnahme und Anmeldung:
Während bestimmte Einrichtungen nur punktuell Kinder
aufnehmen und keine Möglichkeit bieten, fixe Tage zu reservieren,
sehen andere feste Anmeldungen zu fixen Zeiten vor. Die Trägerschaft der
Einrichtungen liegt entweder in öffentlicher, privat und
subventionierter oder gänzlich privater Hand. Wobei die Beiträge
für öffentliche und subventionierte private Betreuungsformen nach
dem Einkommen der Eltern abgestuft werden. Für gänzlich private
Einrichtungen muss der volle Preis gezahlt werden; bei einer
Ganztagesbetreuung bedeutet dies cirka 2000 Franken pro Kind und
Monat.
Viele Eltern
mit Kindern im Vorschul- und Schulalter nehmen auch in der Schweiz
die Hilfe von Tageseltern, zum Großteil Tagesmütter in Anspruch. Diese betreuen die Kinder im eigenen Haushalt halb- oder ganztags. Als
Vermittler zwischen Eltern, die eine Tagesmutter suchen und der
Betreuerin selbst fungieren meist Vereine oder Netzwerke für
Tageseltern, die auch
oft die Ausbildung zur Tagesmutter anbieten. Auch hier variieren die
Tarife stark und liegen zwischen drei und elf Franken pro Kind in der
Stunde. In einigen Gemeinden gibt es jedoch einkommensabhängige
Abstufungen beim Betreuungstarif und die Differenz wird übernommen.
Besonders auf
dem Land wird die Betreuungsform der Tageselternschaft gerne in
Anspruch genommen, weil es dort schwieriger ist, Kindertagesstätten
zu schaffen. Eltern schätzen am Konzept Tagesmutter besonders die
zeitliche Flexibilität, mit der die Tagesmutter ihnen entgegen
kommen kann, besonders wenn sie in der unmittelbaren Nachbarschaft
wohnt. Ein großes Problem der Tageselternschaft in der Schweiz ist
aber die mangelnde Qualität und Professionalität in der Betreuung
der Kinder.
Diese geht oft
über das bloße Hüten der Kinder nicht hinaus – trotz der Möglichkeit in
Vereinen eine Ausbildung zu absolvieren. Ein Grund hierfür sind die
in manchen Teilen der Schweiz äußerst niedrigen Löhne. Besonders
Tageseltern, die kein Mitglied eines Vereins sind, sind schwierig zu
kontrollieren und es bleibt allein den Eltern vorbehalten zu
entscheiden, ob die Qualifikation der Tagesmutter ausreicht.
Kinder im Schulalter haben morgens vor und
nachmittags nach dem Unterricht die Möglichkeit, schulergänzende
Betreuung in Anspruch zu nehmen. Auch hier gibt es ein großes
Spektrum an mehr oder weniger umfassender Betreuung. Tagesschulen
bieten sowohl Unterricht als auch Betreuung außerhalb der normalen
Unterrichtsstunden an. Da diese außerschulischen Aktivitäten Teil
des pädagogischen Konzepts sind, sind die Kinder dazu verpflichtet,
an ihnen teilzunehmen. Die Betreuung allein kostet übrigens zwischen
8000 und 12000 Schweizer Franken pro Platz und Jahr.
Flexibler in dieser Hinsicht sind sogenannte
Schülerclubs, bei denen die Teilnahme an außerschulischen
Aktivitäten freiwillig ist und von den Bedürfnissen der Familien
abhängt. Mittagstische und reine Hausaufgabenhilfen sind angesichts
der Betreuungszeiten vor allem auf die Bedürfnisse
Teilzeitbeschäftigter ausgelegt.
[AKH]