Kidnapping im Schnäppchenmarkt

Schnäppchenjagd
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Schnäppchenjagd

Ich liebe die Einkaufsbummel in der Adventszeit. Alles ist so hübsch dekoriert, es duftet nach Bratäpfeln, Maronen und Glühwein. In allen Kaufhäusern regen Weihnachtslieder mit Glöckchenklang dazu an, beschwingt wie Ginger Roger auf der Suche nach Fred Astaire, durch die Gänge zu schweben und lächelnd Geld zu investieren, in all das Nützliche oder einfach nur Dekorative, ohne sich hinterher die üblichen Vorwürfe zu machen, dass man wieder viel zu viel ausgegeben hat.

Ja, die Vorweihnachtszeit scheinen einen eigenen, drogenähnlichen Rausch auf die Menschen auszuüben, von dem auch ich mich nicht freisprechen kann. Wenn da nicht... Ganz harmlos fing es an, als meine Freundin vorfuhr, den Klingelknopf gleich komplett in den Rahmen reindrückte und meinen Sohn, der ihr öffnete, über den Haufen rannte.

Sie habe gerade ein Prospekt vom Schnäppchenmarkt gesehen. Was haben die gerade nicht alles an Weihnachtsartikeln im Angebot! Da müssten wir sofort hin. Mein Mann, mittlerweile nicht nur angesteckt vom weihnachtlichen Dekorationswahn, sondern längst auf der Überholspur an mir vorbeigezogen, bekam glänzende Augen und sprang in ungewohnter Geschwindigkeit in Schuhe und Jacke. Emily tat es ihrem Vater gleich und so war klar, dass dies kein kinderfreier, romantischer Einkaufsbummel werden würde.

In mir steckte die Hoffnung, dass Emmy, geblendet von all den Lichtern, still im Einkaufswagen sitzen und staunen würde. Ja, auch ich habe noch meine Träume! Nur lassen die sich nicht mit dem Temperament einer Zweijährigen vereinbaren, die es gewohnt ist, sich gegen drei ältere Geschwister, eine größere Nichte, eine Babyschwester, unsere Deutsche Dogge und fünf Katzen durchzusetzen. Was sie will, das will sie und da hilft kein Betteln, Flehen oder Lamentieren. Besonders schlimm trifft das immer ihren Vater. Mein Wikinger wird zu Butter in den Händen seiner Töchter und Emmy weiß diesen Aggregatzustand schneller herbeizuführen, als jeder andere.

Vor dem Schnäppchenmarkt stieg ich aus, atmete tief mit geschlossenen Augen, ein und legte innerlich den Hebel um, auf Weihnachtsstimmung. Gerade stellte ich mir die Szene einer romantisch verschneiten Landschaft vor, da schrillte die kreischende Stimme meiner Tochter das Tauwetter meiner Idylle ein. Papa wagte den Versuch, das Ergebnis seiner ungebremsten Leidenschaft in die Kindersitzvorrichtung des Einkaufswagen zu setzen.

Man glaubt kaum, zu welch akrobatischen Einlagen Kinder fähig sein können, wenn sie etwas nicht wollen! Jedenfalls stürmte ich auf meinen Kinderjongleur zu und griff ein. Ich versuchte meinem Mann klar zu machen, dass er weder mit Bitten noch Erklärungen etwas erreichen würde, da er doch den Sturkopf unserer Tochter kennen müsse. Ablenken ist das einzige, was hilft, ablenken und das, was man von ihr möchte, am Rand mit einfließen zu lassen. Also redete ich ruhig auf Emmy ein, während mein Mann bereits am Ende seiner Kräfte schien, bevor wir das Geschäft überhaupt betreten hatten. "Wollen wir einkaufen?" ich sah Emily fest in die Augen. Jetzt keine Furcht zeigen, das riechen die kleinen Terrorbolzen. Begeistertes Nicken war die Antwort und ich sagte ihr, dass wir sofort anfangen, wenn sie im Einkaufswagen sitzt. Nun musste auch ich einen Kompromiss eingehen, denn sie wollte nicht im Sitz Platz nehmen, sondern im Einkaufsraum stehen.

Innerlich wieder gesammelt, versicherte mir mein Mann, nun alles im Griff zu haben und mir unauffällig mit der Kleinen zu folgen. Wie eine Galionsfigur stand sie im Wagen und gab präzise Anweisung, wohin der Steuermann, alias Papa, das Schiff zu lenken habe. Die erste Debatte folgte dann an der Tiefkühltruhe. Emily hatte die Dinos aus panierter Hähnchenbrust entdeckt und meinte, sie müsse die unbedingt haben: für die Badewanne! Nachdem Achim es schaffte, die Kleine von der Kühltruhe, auf der sie inzwischen halb lag und sie bestmöglich umklammerte, zu pflücken, schob er sie in einem Affenzahn weiter, der Emmy eine windschnittige Frisur nach Art eines Bart Simpson bescherte, um an den Süßigkeiten vorbei zu kommen.

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