Wie auch bei früheren
Vorsorgeuntersuchungen werden bei der J1 zunächst Größe und
Gewicht erfasst, um Übergewicht oder eventuell auch Anzeichen einer
Magersucht oder anderer Essstörungen erkennen zu können.
Extreme Wachstumsschübe wie sie bei Jugendlichen häufiger vorkommen, können allerdings vorübergehend Untergewicht verursachen. Außerdem können
im Wachstum Haltungsschäden auftreten, die oft mit entsprechender
Behandlung oder der Aufnahme einer regelmäßigen sportlichen
Betätigung korrigiert werden können. Der Arzt wird deshalb ein
besonders Augenmerk auf die
Skelettfunktionen des Jugendlichen legen
und Tipps zur Korrektur schwacher Bauch- und Rückenmuskeln geben,
die in diesem Alter häufig sind.
Eine Schriftprobe kann
zudem Aufschluss über mögliche
feinmotorische Störungen des jungen
Patienten geben.
Darüber hinaus wird sich
der behandelnde Arzt einen Eindruck vom
sexuellem
Entwicklungsstand, dem Zustand der Organe und dem Seh- und
Hörvermögen des Jugendlichen machen. Eine Untersuchung des Blutes und des Harns gibt
bei der J1 zudem Aufschluss über Vitaminmangel, mögliche
Schilddrüsen-Erkrankungen oder eine Neigung zu erhöhten
Cholesterinwerten. Blutdruckmessen kann helfen, Herz- und
Kreislauferkrankungen auszuschließen.
Auch für die spätere
Berufswahl, die bei manchen Jugendlichen bereits zwei bis drei Jahre nach der Untersuchung ansteht, kann die Gesundheit eine wichtige Rolle spielen. So können
für Allergiker bestimmte Berufsfelder ungeeignet sein. Liegen
bereits Allergien vor oder taucht bei der J1 ein Allergieverdacht
auf, sollte diesem auf jeden Fall mittels weiterführenden Untersuchungen nachgegangen werden.
Da die J1 als Möglichkeit
für Jugendliche verstanden werden sollte, ihrem Arzt, der an die
ärztliche Schweigepflicht gebunden ist,
intime Fragen zu Sexualität,
Verhütung oder Drogenkonsum zu stellen, wird von einer Begleitung der
Eltern in Normalfall dringend abgeraten. Der Patient kann sich dabei auch bei Problemen in Schule oder Elternhaus Hilfe holen. Wenn der Jugendliche unter
Hautproblemen (Akne), häufigen Kopfschmerzen, Depressionen oder
psychischen Problemen leidet, sollte er im Rahmen der J1 die Chance
haben, diese Schwierigkeiten unabhängig von den Eltern und auch ohne
deren Wissen zu äußern. Der Arzt sollte hier gegebenenfalls den
Wunsch des Patienten respektieren und
über bestimmte
Gesprächsinhalte Stillschweigen bewahren. Eltern können den Mediziner im Anschluss kontaktieren, um sich über die Untersuchungsergebnisse zu informieren.
Abschließend sollte der
Arzt auch den
Impfschutz des Jugendlichen überprüfen und eine
Auffrischung gegen Tetanus, Diphterie, Keuchhusten und Polio, wenn
nötig auch gegen Masern, Mumps und Röteln vornehmen. Im Rahmen der
J1 kann zudem die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs erfolgen, die
heute für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren empfohlen wird.
[BS]