Familie » Familienleben » Kolumne: Chaosbande » Immer in Gedanken

Immer in Gedanken

Abendessen bei Kerzenlicht

Es ist zum Verrücktwerden!

Da hat man einen Kopf, wird von klein auf gedrillt, ihn zu benutzen und niemand sagt einem, dass das auch Nebenwirkungen hat. Liegt es daran, eine Frau zu sein? Ist es ein Gesetz der Natur, das uns zwingt, alles und immer zu analysieren, auseinander zu pflücken und zu zerhacken?

Nehmen wir den romantischen Abend mit dem Gatten. Wie oft hat man sich gewünscht, der Romantiktrampel möge doch ein einziges Mal eine Brise rosa Herzchen um die Ohren geweht bekommen, doch irgendwie herrscht Windstille.



Die beste Freundin muss her, es wird diskutiert und lamentiert, bis man völlig paralysiert zum Ergebnis kommt, dass man ein bedauernswertes Wesen ist, lebenslang gebunden an den Mann, der "Wolke 7" für eine Hafenkneipe hält.

Nun aber kommt der Tag, an dem dem der rohe Klotz seine Holde bittet, sich von ihm entführen zu lassen. Essen wolle er gehen, mit ihr, in ein sündhaft teures, aber romantisches Restaurant, um danach den Abend bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen. Frauenherz bricht, im Affekt, Hochsprungrekorde! Das Ganze findet innerhalb einer Nanosekunde statt.

Danach erfolgt schlagartig Ernüchterung. Grund: Gedanken fangen an zu arbeiten! Können wir es uns überhaupt leisten? Wie kommt der überhaupt auf einmal auf die Idee, wo er sonst nie Essengehen wollte? Hat der etwas wieder gut zu machen? Wenn ja, was? Will er deshalb auch den Abend beim Wein beenden, weil er mir etwas zu beichten hat, wofür er mich zuvor abzufüllen gedenkt?

Wieder wird die beste Freundin angerufen und in gemeinschaftlichem Gedankenwirrwarr bereitet man den Schlachtplan vor, dem Schuft nicht die Genugtuung zu liefern, sein Weib unvorbereitet zu treffen.

Der verführerische Fummel wird in einem Einkaufsmarathon ergattert, ein vierstündiges Wellnessprogramm Marke Eigenbau verleiht den letzten Schliff und mit einem lasziven Lächeln, obskur dekoriert vom unterkühlten Blick, lässt Frau sich in den Mantel helfen.

Im Restaurant ist dann taktisches Warten angesagt. Während Mann noch die Karte studiert und Vorschläge unterbreitet, schielt Frau durch die Tischdekoration, weil jedes Umblättern ein Beweis nervöser Handlungen sein könnte.

Bis zum Dessert muss Frau nun mit sich ringen, eine lockere Unterhaltung mithalten zu können. Sie weiß nicht einmal, ob das Mahl schmackhaft war. Ihre Gedanken drehen sich einzig darum, der Versuchung zu widerstehen, über den Tisch zu springen und den Gatten mit der eigenen Krawatte zu würgen, bis er gesteht, was auch immer er verbrochen haben könnte.

Das entspannte Glas Wein wird in voller Länge von nervös trommelnden, frisch manikürten Fingernägeln begleitet, und noch immer gesteht Mann nichts.

Als Mann schließlich Frau in den Mantel hilft, um sie Heim zu führen, kommt ihr zum ersten Mal der Gedanke, dass Schätzelein vielleicht tatsächlich keine bösen Absichten vertrat und sich einfach nur der Romantik hingeben wollte. Erleichtert seufzt sie auf, beschimpft sich während des gesamten Weges nach Hause innerlich, wie sie nur so misstrauisch sein könnte und nimmt sich fest vor, dass der Rest des Abends nun der Liebe zu Ehren verlaufen soll.



Dein Kommentar
Noch 1000 Zeichen möglich.

Kommentare

1

Hihihi! Ich wünschte es wäre anders!

von taqiu-maedel am 24.01.2010 18:54

2

Herrlich geschrieben und soviel Wahrheit darin ;O) Frau bleibt Frau und Mann bleibt Mann Daran läßt sich in 1000 Jahren nix ändern

von Solo-Mami am 23.01.2010 13:13

3

Wieso kommt mir das so bekannt vor!? grinsende Grüße

von Heviane am 22.01.2010 19:40

4

das ist toll geschrieben...

von Gelöschter Benutzer am 22.01.2010 08:37


quelle » Dr. Gerhard Oellinger für Mamiweb

Benutzername
Passwort


X

Mamiweb - das Portal für Mütter