Das Immunsystem eines Neugeborenen ist sehr anfällig, da es noch nicht gelernt hat, die Belastungen der Umwelt abzuwehren. Bei Babys in den ersten zwölf Lebensmonaten kann es daher relativ leicht zu Infekten kommen. Zudem muss sich der Magen besonders in den ersten Wochen nach der Geburt langsam auf seine neuen Funktionen bei der Nahrungsaufnahme einstellen. Dabei kann es zu Anfangsschwierigkeiten bei der Verdauung wie Dreimonatskoliken oder Spucken kommen. Und nicht zuletzt die ersten Zähne stellen in vielen Fällen eine schmerzhafte Herausforderung für den Nachwuchs dar.
Pharmazeutische Arzneimittel haben oftmals zahlreiche Nebenwirkungen und belasten den kleinen Organismus – viel zu stark, wie mancher finden mag. Immer mehr Eltern fragen sich daher, ob homöopathische Mittel eine Alternative sein können, um typische Wehwehchen des Säuglingsalters auf sanfte Weise zu lindern.
Prinzipiell spricht in der
Tat nichts dagegen, gut verträgliche Mittel der Homöopathie auch
bei Babys anzuwenden. Da Durchfall und andere, beim Erwachsenen
weniger tragische Erkrankungen, bei einem Säugling sehr
schnell einen akuten, lebensbedrohlichen Verlauf nehmen können,
sollte man sich im Zweifelsfall nicht zu lange mit homöopathischen
Experimenten aufhalten, sondern so schnell wie möglich einen Facharzt
aufsuchen.
Homöopathie kann bei harmlosen Problemen oder bestenfalls
unterstützend zu herkömmlichen Medikamenten bei ernsthafteren Erkrankungen eingesetzt werden, aber
ersetzt niemals die Konsultation eines ausgebildeten Mediziners. Bei
allen Anzeichen einer Unverträglichkeit oder allergischen Reaktion
beim Kind sollte das homöopathische Mittel zudem umgehend abgesetzt
werden.
Bei typischen
Säuglingsbeschwerden häufig eingesetzte Mittel:
Dreimonatskoliken:
Carlo vegetabilis, Chamomilla, Colocynthis, Lycopodium clavatum
Milchschorf:
Calcium carbonicum
Mundsoor:
Borax, Kalium chloratum, Mercurius solubilis
Spucken:
Aethusa cynapium, Ipecacuanha (Vor Verabreichung dieser
Medikamente muss unbedingt ein Magenpförtnerkrampf ausgeschlossen
werden.)
Windelsoor:
Chamomilla, Graphites, Sulphur
Zahnen:
Belladonna, Chamomilla, Ferrum phosphoricum, Rheum; Hilfreich ist auch, das Zahnfleisch mit Hilfe eines Wattestäbchens mit lauwarmem
Kamillen- oder Salbeitee einzureiben
Von allen Mitteln sollten Babys stets nur niedrige Potenzen wie D6 oder
C12 erhalten. Bei homöopathischen Medikamenten aus giftigen
Grundsubstanzen sollte die Potenzierung jedoch auch nicht niedriger
als D6 sein, da sonst die Konzentration des Giftstoffes noch zu hoch
sein kann.
Da Säuglinge und Kleinkinder keine alkoholischen Lösungen bekommen sollen, kann auf die kleinen Zuckerkügelchen oder
Globuli zurückgegriffen werden. Eine Form, in der die meisten
homöopathischen Mittel erhältlich sind. Babys dürfen diese in den
ersten zwölf Monaten jedoch wegen der Erstickungsgefahr nicht direkt
einnehmen. Daher löst man die Kügelchen vorher auf einem Holz- oder
Plastiklöffel (nicht auf Metall!) mit warmem Wasser oder Tee auf und
gibt die abgekühlte Lösung in die Wangentasche des Säuglings.
Danach sollte eine halbe Stunde lang nichts gegessen oder getrunken
werden. Bei Babys reichen ein bis zwei Globulis pro Einnahme völlig
aus, die Gabe der Einzeldosen darf zehn pro Tag nicht übersteigen.
[BS]