Die Akupunktur ist eine uralte Heilmethode der Traditionellen Chinesischen Medizin, die aufgrund ihrer hohen Erfolgsquote und guten Verträglichkeit auch in der westlichen Schulmedizin zunehmend Anerkennung findet. Noch relativ neu ist der Einsatz der Akupunktur in der Geburtsvorbereitung und Geburtshilfe. Doch immer mehr Schwangere vertrauen mittlerweile auf den Einsatz von Akupunktur zur Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden und Verkürzung der Geburtsschmerzen.
Die Akupunktur geht von
Energiemeridianen aus, die den Körper des Menschen durchziehen und
Träger des Qi (der menschlichen Lebensenergie) sind. Durch das
gezielte Einstechen von Nadeln in spezielle Energiepunkte versucht
der behandelnde Mediziner, den Energiefluss des Körpers in Ausgleich
zu bringen.
Neben der Behandlung von Allergien, Migräne oder
Menstruationsbeschwerden kann Akupunktur auch zur Geburtsvorbereitung
eingesetzt werden. So zeigen Studien, dass eine Akupunkturbehandlung
im Vorfeld der Geburt für eine
bessere Reifung der Gebärmutter
sorgt und die Öffnungszeit des Muttermundes verkürzen kann. Bei
den behandelten Erstgebärenden verkürzte sich die Eröffnungsphase
während der Geburt durchschnittlich von zehn auf acht Stunden. Außerdem
empfanden sie die Geburtswehen häufig als weniger schmerzhaft. Auch
Schwangerschaftsbeschwerden wie vorzeitige Wehentätigkeit, Kopf-
oder Rückenschmerzen, allgemeines Unwohlsein, Angst,
Schlafstörungen, Bluthochdruck oder Fehllagen des Kindes konnten
durch eine Akupunkturbehandlung positiv beeinflusst werden.
Voraussetzung für eine
Akupunkturbehandlung ist allerdings eine bis zu diesem Zeitpunkt ohne
Komplikationen verlaufene Schwangerschaft. Die Behandlung ist
außerdem erst ab der 36. Schwangerschaftswoche möglich, da vorher das Risiko einer
Frühgeburt besteht. Geburtsvorbereitende Akupunktur darf nur von
Hebammen oder Gynäkologen mit entsprechender Ausbildung durchgeführt
werden. Es wird empfohlen, die Sitzungen von circa 20 bis 30 Minuten
Dauer etwa ein bis zwei Mal pro Woche durchführen zu lassen. Um eine
Wirkung zu erzielen, sind im Vorfeld der Geburt mindestens drei bis vier Sitzungen nötig. Auch wenn der errechnete Geburtstermin der Frau
bereits überschritten ist, kann Akupunktur helfen, die Zeit des
unruhigen Wartens zu überbrücken.
Bei der Behandlung wird
die etwa 0,3 Millimeter dicke Akupunkturnadel zunächst etwa 0,5 Millimeter tief in die Haut eingestochen und danach unter schnellen Rotationsbewegungen in
der Haut 5 Millimeter oder mehr vorgeschoben. Dies geschieht so lange, bis bei der Patientin
das sogenannte De-Qi-Gefühl entsteht, das sich durch Wärme,
Taubheit oder Kribbeln anzeigen kann. Zur Geburtsvorbereitung
kommen
vier Akupunkturpunkte zum Einsatz. Diese liegen unterhalb des
Knies, im Bereich der Innenknöchel des Fußes, an der oberen
seitlichen Wade und an der Außenseite der kleinen Zehe.
Da viele Frauen bei ihrer
ersten Behandlung, wenn der Körper noch nicht an Akupunktur gewöhnt
ist, mit
Kreislaufproblemen reagieren, sollte die erste Sitzung
eventuell besser liegend und mit leicht erhöhten Beinen erfolgen. Ebenfalls ist es wichtig, dass die Schwangere zum Akupunkturtermin nie mit nüchternem Magen erscheint. Hat die Frau bereits
einige Sitzungen hinter sich, kann sie sich
auch während
der Geburt mit den kleinen Nadeln behandeln lassen, um eine Linderung
der Geburtsschmerzen zu erzielen. Auch bei Probleme bei der Plazentaablösung in der Nachgeburtsphase können die Nadel gute Dienste leisten.Die anfallenden Kosten von 10 bis 15 Euro pro Sitzung müssen von der Patientin selbst getragen werden.
[BS]