Verläuft eine Schwangerschaft normal, dauert sie 40 Wochen. Diese Zeit braucht der Fötus, bis er vollständig ausgereift und entwickelt auf die Welt kommt. Frühgeborene, also Babys, die vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen, haben diese Zeit nicht. Sie müssen das Wachstums- und Entwicklungsdefizit außerhalb von Mamas schützendem Bauch bewältigen. Hierbei gilt, je kleiner und leichter die Babys auf die Welt kommen, desto gefährdeter sind sie. Auch auf längerfristige Sicht.
Da viele Frühchen vor Abschluss der Lungenreife auf die Welt kommen, haben sie besonders mit Problemen in Verbindung mit dem Atmungsapparat zu kämpfen. Aber auch gegen andere Folge- und Langzeitschäden sind sie leider nicht immun. Mamiweb
informiert Dich über mögliche Erkrankungen und
Probleme von Frühchen:
Da bei Frühchen im
Vergleich zu Termingeborenen die Lungenbläschen noch nicht voll
entwickelt sind, sind sie besonders anfällig für Erkrankungen der
Lunge. Das sogenannte Atemnotsyndrom (RDS: respiratory
distress syndrome) tritt auf, wenn die noch nicht ausgereifte Lunge
nicht genug Surfactant bildet. Dadurch entsteht ein Mangel, der die
Lungenbläschen, auch Alveolen genannt, zusammenfallen lässt. Das
Baby leidet an Sauerstoffmangel und Atemnot und muss in vielen Fällen
künstlich beatmet werden.
In
Folge der Lungenunreife und der künstlichen Beatmung kann es aber
auch zu einer bronchopulmonalen
Dysplasie, einer
chronischen Erkrankung der Lunge kommen. Bei dieser muss dem Baby über einen
längeren Zeitraum hinweg zusätzlicher Sauerstoff verabreicht werden und es wird zudem mit Medikamenten behandelt. Da die Blutgefäße
ebenfalls durch mangelnde Reife sehr empfindlich sind, kann es bei
Frühchen, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden, auch
zu Hirnblutungen kommen.
Hier
hat sich allerdings das als Dopingmittel bekannte EPO bewährt. Wird es extremen Frühchen mit Hirnblutung verabreicht, schützt es diese offenbar vor
den Folgen der Hirnblutung. Frühchen mit EPO waren im
Vergleich zu anderen Frühgeborenen, die kein EPO bekommen hatten,
deutlich intelligenter und weniger oft behindert. Zu diesem
Ergebnis kommt eine Langzeitstudie (Stand 2010).
Nicht
nur die Organe Frühgeborener sind unreif, auch das Immunsystem ist
unvollständig ausgebildet, wodurch es in der Folge zu erhöhter
Infektanfälligkeit und -überwindung der Babys kommt. Erkrankt es an
einem Infekt mit bakteriellen Erregern oder Viren, wie dem RS-Virus,
führt das zu schweren Atemwegserkrankungen. Das Kind muss dann frühzeitig behandelt werden, um Folgeschäden zu vermeiden.
Dadurch, dass der Darm nicht richtig ausgereift ist,
sich in ihm aber krankheitsverursachende Keime befinden, erkranken
Frühchen wesentlich häufiger an nekrotisierender Enterokolitis
(NEC). Hierbei handelt es sich um eine Darmentzündung, die in ihrer
schwersten Ausprägung einen Darmdurchbruch zur Folge haben kann.
Auch
Herzanomalien
gehören zu den gesundheitlichen Problemen, denen sich Frühchen
ausgesetzt sehen wie beispielsweise Defekte der Herzscheidewände.
Vor der Geburt verbindet der sogenannte Ductus Botalli die Lungen-
und Körperschlagader miteinander, womit die Umgehung der noch
funktionsunfähigen Kinderlunge ermöglicht wird. Wird nach der
Geburt der Ductus Botalli nicht geschlossen, kann es zu Störungen
des Blutkreislaufes kommen. Dies wird persistierender
Ductus ateriosus Botalli
(PDA) genannt und muss mittels Medikamenten oder chirurgisch
behandelt werden.
Schwache
Atemregulationszentren verursachen kurzzeitige Atemstillstände und
eine Verlangsamung des kindlichen Herzschlages. Je nachdem, wie stark
sie ausgeprägt sind, werden sie genau beobachtet oder mit
Medikamenten behandelt. In der Regel wächst sich dieses Problem bis
zum Zeitpunkt des errechneten Geburtstermins aber aus.
[AKH]