Fallbeispiele für Bettnässen

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Wut und Verzweiflung durch Bettnässen
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Wut und Verzweiflung durch Bettnässen

Bettnässen ist leider nach wie vor ein Tabuthema. Viele Familien fühlen sich mit dieser schwierigen Situation allein gelassen, weder Kinder noch Eltern haben jemanden, mit dem sie darüber sprechen können. Das Bettnässen ist den Betroffenen vor allem peinlich. Meist ist ihnen nicht bewusst, dass nächtliches Einnässen ein häufiges Problem bei Kindern ist. 

Um aus dieser oft schwierigen Familiensituation herauszufinden und das Bettnässen nachhaltig zu beenden, ist es besonders wichtig, von anderen Fällen zu erfahren und zu wissen, welche Möglichkeiten der Diagnose und Therapie es gibt. Wir möchten Dir hier drei völlig unterschiedliche Fälle bettnässender Kinder vorstellen:

Johanna, 8 Jahre

Johanna geht in die Grundschule und hat keine Geschwister, ihre Eltern leben getrennt. Sie nässt nachts regelmäßig ein und die gesamte Familie und Bekanntschaft weiß davon Bescheid und übt – vermutlich ungewollt – Druck auf das Mädchen und ihre Eltern aus. Sätze wie: „Nässt Johanna noch immer nachts ein?“ oder „Was da wohl schiefgelaufen ist …“ sind keine Seltenheit. Johanna spricht mit niemandem über das Problem des Bettnässens, sie blockt komplett ab und möchte auch nicht zum Arzt oder Therapeuten gehen.

Johanna kennt in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis auch niemanden, der ein ähnliches Problem hat. Sie kommt aber auch nicht auf die Idee, dass sie vielleicht einfach nichts davon weiß. Als das Bettnässen sich noch verstärkt, kann Johannas Mutter sie doch dazu bewegen gemeinsam einen Arzt aufzusuchen. Im Gespräch mit dem Arzt erfährt Johanna, dass ungefähr jedes zehnte Kind im Alter  zwischen 5 und 15 Jahren nachts regelmäßig einnässt. Das erstaunt das Mädchen doch einigermaßen und erleichtert auch das schlechte Gewissen der Eltern, die sich mit Schuldgefühlen herumschlugen, da ihnen ihr Umfeld eingeimpft hatte, dass sie als Eltern wohl irgendetwas falsch gemacht hätten. Im Arztgespräch kommt heraus, dass Johanna bereits trocken war und das Bettnässen eigentlich im Zuge von familiären Problemen und der anschließenden Trennung ihrer Eltern begonnen hat (sekundäre Enuresis). Der Druck seitens Familie und Freunden hat dann offensichtlich das Problem noch verstärkt. Hier geraten Kinder oft in einen Teufelskreis: desto mehr Schuldzuweisungen und Vorwürfe wegen des Bettnässens, umso schlimmer wird die Situation in der Regel.

Der Arzt bespricht mit Johanna eine Änderung des Trinkverhaltens inklusive der Führung eines Erfolgsprotokolls und rät ihr mit beiden Eltern eine Psychotherapie in Erwägung zu ziehen. Jedenfalls betont der Arzt, dass es sehr wichtig sei Johanna Zeit zu geben, geduldig zu sein und keinerlei Druck auf sie auszuüben.

Felix, 10 Jahre

Felix nässt seit Jahren regelmäßig nachts ein und kann sich eigentlich gar nicht daran erinnern jemals trocken gewesen zu sein. Seit einigen Monaten leidet er nun auch selbst sehr unter dem Bettnässen, bisher waren eher seine Eltern die Verzweifelten. Felix ist es schrecklich peinlich ins Bett zu machen, er steht nachts oft beschämt neben seinen Eltern, die die Bettwäsche wieder mal wechseln und ihm ein trockenes Pyjama reichen. Die Familie geht soweit möglich geduldig mit der Situation um und Felix hat bereits einige Kinderarztbesuche und Therapieversuche (u.a. Alarmtherapie, Biofeedback) hinter sich.

Nun tritt er selbst nochmal an seine Eltern heran, ob nicht noch irgendetwas getan werden kann, um das Bettnässen zu beenden. Seine Eltern suchen daraufhin mit ihm einen Kinderurologen auf, der im Gespräch Felix Krankengeschichte anhört. Der Arzt empfiehlt daraufhin den Versuch einer medikamentösen Therapie, da bereits so ziemlich alles andere versucht wurde. Felix hat Glück, denn nach einigen Wochen stellen sich die ersten Erfolge ein, nach drei Monaten ist Felix nachhaltig trocken. Er freut sich riesig auf Übernachtungen bei Freunden und vor allem auf das Ferienlager im Sommer.

Florian, 5 Jahre

Florian ist ein ganz „normaler“, lebhafter Junge, der gerne Sport treibt und Musik liebt. Seine Eltern sind berufstätig und er geht halbtags in den Kindergarten. Seine Geschwister sind bereits älter und gehen zur Schule.

Florian nässt nachts mehrmals die Woche ein, weshalb die Eltern mit ihm zum Kinderarzt kommen. Florian trägt nachts Windeln, die aber selten den gewünschten Erfolg bringen, da er nachts so großen Mengen Urin ausscheidet, dass das Bett morgens meist durchnässt ist. Florian scheint es nicht sonderlich zu stören, dass er nachts noch nicht trocken ist, aber seine Eltern umso mehr. 

Im Gespräch mit dem Kinderarzt werden die möglichen Ursachen des Bettnässens systematisch durch besprochen. Physische, psychische oder genetische Ursachen können zu Bettnässen führen. Der Kinderarzt erfährt im Gespräch, dass Florians ältere Geschwister in diesem Alter ähnliche Probleme hatten, die sich aber schnell wieder gegeben hatten. Bei Florian empfiehlt der Arzt nun aufgrund seines Alters noch ein Jahr abzuwarten, da mit 5 Jahren die hormonellen Funktionen noch nicht voll ausgereift sein können und das Bettnässen in den meisten Fällen von einem auf den anderen Tag aufhört, sobald die körperliche Reife gegeben ist.

Inzwischen soll Florian mit seinen Eltern einen Blasenkalender führen, in den jeden Tag eingetragen wird, was er unter Tags gemacht hat und ob die Nacht trocken war. So lernen er und seine Eltern Ursache und Wirkung verschiedener Bemühungen zur Vermeidung eines nassen Bettes besser einzuschätzen und sie erhalten einen besseren Überblick wie oft Florian wirklich einnässt. 

Weitere Tipps des Kinderarztes zur Verbesserung der aktuellen Situation: Es gibt eigene Windeln für bettnässende Kinder, die besser passen und somit auch nicht so schnell auslaufen, damit erspart man sich wenigstens die Wäscheberge. Florian soll die Trinkmenge unter Tags besser kontrollieren und besonders darauf achten vormittags viel (0,5 l) und nachmittags bzw. abends keine größeren Mengen mehr zu trinken. Direkt vor dem zu Bett gehen sollte Florian in Ruhe zur Toilette gehen, die Eltern haben auch noch die Möglichkeit ihn bevor sie schlafen gehen kurz zu wecken und auf die Toilette zu setzen, die Kinder merken das meist nicht einmal und man kann somit die nächtliche Urinmenge in der Windel deutlich reduzieren.

Florians Eltern scheinen mit der Situation völlig überfordert zu sein und wussten sich vor dem Gespräch beim Kinderarzt nicht mehr zu helfen. Ein solches Gespräch führt meist zu einer Entspannung der familiären Situation und damit schon zu einer Erleichterung der Lage. Selbst wenn – wie im Fall von Florian - keine konkrete Therapie vorgeschlagen wird, so geht die Familie dennoch mit neuen Ideen und Tipps nach Hause.

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