Schon die Kindheit der 1980er Jahre ist nicht mehr mit der heutigen Kindheit zu vergleichen. Zeiten, Sozialstrukturen und auch Menschen ändern sich. War die Kindheit früher von vermeintlich intakten Familien und viel Spiel und Spaß in freier, unbebauter Natur geprägt, stehen dem heute eine große Anzahl an Alleinerziehenden und Patchworkfamilien gegenüber, deren Kinder anstatt im Grünen auf betonierten Spielplätzen in Großstädten oder vor der heimischen Spielekonsole spielen.
Auch der Anspruch an die Kinderbetreuung ist heute ein anderer. War der Aufenthalt in der Kita früher von viel Spiel und Freizeit geprägt, erwarten Eltern heutzutage wesentlich mehr Leistung für ihre Gebühren als früher. Und so verstehen sich auch viele Kitas heutzutage als Bildungseinrichtungen, in denen Knirpse Englisch lernen oder gänzlich in der freien Natur (Waldkindergarten) betreut werden. Aber wie war es denn eigentlich ganz, ganz früher? So zu Zeiten der eigenen Groß- und Urgroßeltern oder sogar noch davor?
Generell lässt sich
sagen, dass in den letzten 150 Jahren innerhalb eines
Familienverbunds der Fokus immer mehr auf die Kinder gelegt wurde.
Vom einfachen „Dasein“ rückten sie in das Zentrum des
Interesses, was sich darin äußerte, dass ihnen mehr Zeit, Energie
und Aufmerksamkeit zuteil wurde. Ihrer Individualität wurde mehr
Raum zugestanden und ihre Einzigartigkeit anerkannt. Dies wird auch
in unterschiedlichen Erziehungsstilen deutlich. Weg von Gehorsam,
Höflichkeit, Fleiß und Ordnungsliebe entwickelten diese sich hin zu Selbständigkeit,
Mündigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Toleranz. Und das bei
beiden Geschlechtern.
Das
war aber, wie gesagt, nicht immer so: Früher wurden Jungen und
Mädchen nämlich gänzlich unterschiedliche Erziehungs- und
Betreuungsmethoden zuteil, ganz bezogen auf die Bereiche, die ihnen
im klassischen Sinn zugeteilt wurden und in denen sie sich bewegten: Der häusliche Bereich für Mädchen und Frauen, und der Bereich
drumherum für Jungen und Männer. Aber am besten der Reihe nach beziehungsweise
ganz auf Anfang:
Während
des Mittelalters war Bildung und Kinderbetreuung, wenn man es denn so
nennen möchte, ein Privileg, das nur den höher gestellten Schichten
vorbehalten war. Von einer Kinderbetreuung wie wir sie heute kennen,
kann selbstverständlich nicht die Rede sein. Vielmehr wurden Kinder
adeliger Eltern von einer Amme gestillt und auch sonst verbrachten
sie den Großteil ihrer Kindheit eher in der Obhut von Bediensteten
als bei den leiblichen Eltern. Kinder ärmerer Familien hingegen wurden
schon früh zu harter Arbeit herangezogen, um das Überleben der
Familie zu sichern. Die Kindheit war in diesen Fällen, wenn
überhaupt vorhanden, von recht kurzer Dauer.
Allerdings wuchs im Laufe der Zeit immer mehr die
Bedeutung von Bildung und Ausbildung für das sich herausbildende
Staatswesen. Ein wichtiger Schritt in Richtung der heutigen
Kinderbetreuung war daher die Einführung der allgemeinen
Schulpflicht, die Bildung und Betreuung zur grundlegenden
Notwendigkeit werden ließ. Aber auch hier gab es natürlich soziale
und fachdidaktische Unterschiede.