Generell lässt sich sagen, dass in den letzten 150 Jahren innerhalb eines Familienverbunds der Fokus immer mehr auf die Kinder gelegt wurde. Vom einfachen „Dasein“ rückten sie in das Zentrum des Interesses, was sich darin äußerte, dass ihnen mehr Zeit, Energie und Aufmerksamkeit zuteil wurde. Ihrer Individualität wurde mehr Raum zugestanden und ihre Einzigartigkeit anerkannt. Dies wird auch in unterschiedlichen Erziehungsstilen deutlich. Weg von Gehorsam, Höflichkeit, Fleiß und Ordnungsliebe entwickelten diese sich hin zu Selbständigkeit, Mündigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Toleranz. Und das bei beiden Geschlechtern.
Das war aber, wie gesagt, nicht immer so: Früher wurden Jungen und Mädchen nämlich gänzlich unterschiedliche Erziehungs- und Betreuungsmethoden zuteil, ganz bezogen auf die Bereiche, die ihnen im klassischen Sinn zugeteilt wurden und in denen sie sich bewegten: Der häusliche Bereich für Mädchen und Frauen, und der Bereich drumherum für Jungen und Männer. Aber am besten der Reihe nach beziehungsweise ganz auf Anfang:
Während des Mittelalters war Bildung und Kinderbetreuung, wenn man es denn so nennen möchte, ein Privileg, das nur den höher gestellten Schichten vorbehalten war. Von einer Kinderbetreuung wie wir sie heute kennen, kann selbstverständlich nicht die Rede sein. Vielmehr wurden Kinder adeliger Eltern von einer Amme gestillt und auch sonst verbrachten sie den Großteil ihrer Kindheit eher in der Obhut von Bediensteten als bei den leiblichen Eltern. Kinder ärmerer Familien hingegen wurden schon früh zu harter Arbeit herangezogen, um das Überleben der Familie zu sichern. Die Kindheit war in diesen Fällen, wenn überhaupt vorhanden, von recht kurzer Dauer.
Allerdings wuchs im Laufe der Zeit immer mehr die Bedeutung von Bildung und Ausbildung für das sich herausbildende Staatswesen. Ein wichtiger Schritt in Richtung der heutigen Kinderbetreuung war daher die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, die Bildung und Betreuung zur grundlegenden Notwendigkeit werden ließ. Aber auch hier gab es natürlich soziale und fachdidaktische Unterschiede.
Was haben berufstätige Schwedinnen, Französinnen und Holländerinnen gemeinsam? All diese Frauen geben ihre lieben Kleinen bereits oft schon weit vor dem dritten Geburtstag in eine staatliche Kinderbetreuungseinrichtung. Die gibt es in besagten Ländern nämlich in so großer Zahl, dass Beruf und Familie für beide Elternteile vereinbar sind. Zwar sind wir hierzulande noch weit von diesem begrüßenswerten Zustand entfernt, doch gibt es auch in Deutschland immer mehr qualitativ gute Angebote für Kinder. Aber welche Betreuungsform ist die richtige für das eigene Kind? Krippe, Kindergarten, Hort oder doch eine Tagesmutter? Und ab welchem Alter und in welchem Umfang sollten Eltern diese Einrichtungen in Anspruch nehmen? In unserem eXtra findest Du eine Übersicht mit Infos über die gängigsten Formen der Kinderbetreuung.