EHEC-Panik – wie gefährlich ist das Darmbakterium?

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Rinder - Überträger von EHEC-Bakterien
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Rinder - Überträger von EHEC-Bakterien

Nach dem H1N1-Virus in den Jahren 2009 und 2010 sorgt nun seit der zweiten Maiwoche dieses Jahres ein gefährliches Bakterium für Schlagzeilen: EHEC, kurz für enterohämorraghische Escherichia-coli-Bakterien, macht durch blutigen Durchfall, Blutarmut und drohendes Nierenversagen bei den Betroffenen von sich reden. 

Innerhalb weniger Tage begann der Erreger sich rasant auszubreiten, mittlerweile gibt es alleine in Norddeutschland etwa 300 Verdachtsfälle. Fieberhaft suchen die Gesundheitsbehörden nach der Infektionsquelle und können bisher nur Vermutungen aufstellen. Besonders gefährlich: Als Überträger sind nach derzeitigem Kenntnisstand Obst und Gemüse unter Verdacht. Birgt nun die gesunde Ernährung, die gerade Schwangeren sonst so dringend empfohlen wird, die Gefahr lebensgefährlicher Erkrankungen? Mamiweb hat die wichtigsten Infos zu EHEC zusammen gestellt:

Vorkommen und Übertragung:

E.coli-Bakterien kommen im menschlichen und tierischen Darm vor und sorgen dort für den Erhalt einer gesunden Darmflora. Außerhalb des Darms hingegen wirken viele E.coli-Stämme, darunter die enterohämorraghischen E.coli, pathogen. Das heißt, dass die von diesen Bakterien ausgeschiedenen Toxine beim Menschen Darmerkrankungen auslösen, wenn sie auf anderem Wege, zum Beispiel über die Schleimhäute, in den Körper gelangen. Hauptinfektionsquelle ist der Kot von Wiederkäuern wie Kühen, Ziegen oder Schafen. In diesem ist das EHEC-Bakterium natürlicherweise enthalten, ohne dass die Tiere davon erkranken.

Die Ansteckung kann über Schmierinfektionen von Tier zu Mensch und von Mensch zu Mensch erfolgen, aber auch über rohes Fleisch, Rohmilch und über fäkalienverseuchtes Trinkwasser, Obst und Gemüse. In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland jährlich zwischen 800 und 1200 Fällen von EHEC-bedingten Durchfallerkrankungen gemeldet, deren Zahl kontinuierlich anstieg. Eine so große Anzahl der Erkrankungen wie 2011, die in so kurzer Zeit und mit so heftigem Verlauf auftrat, hat es vorher jedoch nicht gegeben. Bis zum Abend des 25. Mai 2011 wurden dem Robert-Koch-Institut 214 bestätigte Fälle, darunter zwei Todesfälle, gemeldet. Die Zahl der Erkrankten stieg innerhalb von zwei Wochen rapide an. Untypisch ist auch, das unter den Betroffenen bisher auffallend viele erwachsene Frauen sind, während die Erkrankten bei früheren Fällen zu etwa 50 Prozent Kinder waren, die sich in Streichelzoos und beim Spielen in fäkalienverschmutzem Sand oder Wasser angesteckt hatten.

Mittlerweile steht fest, dass alle Betroffenen der aktuellen Erkrankungswelle Rohkost wie Tomaten, Salatgurken oder Salat verzehrt hatten. Daher wird vermutet, dass eine kontaminierte Lebensmittellieferung die Ursache des Krankheitsausbruchs sein könnte. Möglicherweise wurde das Gemüse mit der Gülle von Tieren gedüngt und konnte so zum Überträger werden.

Symptome

Treten Symptome einer EHEC-bedingten Erkrankung auf, sollte so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden. Eine Ansteckung muss jedoch nicht zwangsläufig gleich zu einer Erkrankung führen. So tragen manche Menschen das Bakterium unbemerkt in sich und werden zu Überträgern, ohne dass bei ihnen selbst eine Durchfallerkrankung ausbricht. Bei anderen verursacht EHEC mehrtägigen, unblutigen Durchfall mit Bauchschmerzen und leichtem Fieber. 


HUS-Syndrom

Die gefürchtete Komplikation einer EHEC-Ansteckung ist hingegen das so genannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), das sich mit Übelkeit, Erbrechen, blutigem Durchfall und Fieber ankündigt und zu einer Zerstörung der roten Blutkörperchen, Störungen der Blutgerinnung und Nierenversagen mit Todesfolge führen kann. Bluthochdruck oder Niereninsuffizienz können die lebenslangen Spätfolgen einer Erkrankung sein. Vor allem Kinder, ältere Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem sind anfällig für diese lebensgefährliche Komplikation. Beim aktuellen Ausbruch erkrankten jedoch auch zahlreiche junge, gesunde Erwachsene an HUS. Bei Schwangeren kann eine Erkrankung das Risiko von Fehl- und Frühgeburten drastisch erhöhen.

Behandlung

Da Antibiotika gegen EHEC-Bakterien nicht nur wirkungslos sind, sondern offenbar sogar deren toxinbildende Wirkung im Körper verlängern, können die Erkrankten bisher nur symptomatisch behandelt werden. Hierzu gehören Infusionen gegen die drohende Austrocknung des Körpers. Kommt es zu Nierenversagen, ist eine sofortige Dialyse-Behandlung (Blutwäsche) der Patienten nötig. Wichtig ist vor allen Dingen, dass die stationäre Behandlung im Krankenhaus im Krankheitsfalls möglichst schnell erfolgt. Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, sollten alle Menschen mit Durchfall vom Arzt einen EHEC-Test machen lassen.

[BS]

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