Bei Meningokokken handelt es sich um eine Bakteriengruppe, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird und vor allem bei Kindern und Teenagern eine gefährliche Form der Hirnhautentzündung (Meningitis) verursachen kann. Seit dem Jahr 2006 wird die Impfung von Kleinkindern und Jugendlichen gegen den in Europa am häufigsten vorkommenden Serotyp C daher in vielen Ländern empfohlen.
Bei etwa zehn Prozent der
Bevölkerung können Meningokokken-Erreger im Nasenraum nachgewiesen
werden, ohne dass sich Krankheitsanzeichen entwickeln. Tritt jedoch
eine Schwäche des Immunsystems auf, können die Bakterien angreifen
und Hirnhautentzündungen oder Blutvergiftungen auslösen. Anzeichen
einer Hirnhautentzündung sind hohes Fieber, unerträgliche
Kopfschmerzen sowie Nackensteife. Häufig treten zudem
charakteristische rote Flecken im Gesicht auf, die auch unter
Druckeinwirkung nicht verblassen. Eine Behandlung mit Antibiotika ist
zwar möglich, muss jedoch innerhalb weniger Stunden erfolgen.
Kinder, deren Immunsystem noch schwächer ist, sind besonders
gefährdet.
Auch wenn Meningokokken in
den Industrienationen
relativ selten geworden sind, erkranken allein
in Deutschland etwa 700 Menschen jährlich. Etwa 50 von ihnen sterben
an der Krankheit, andere behalten Lähmungen oder geistige
Behinderungen zurück. Etwa 50 Prozent der Betroffenen sind Kinder,
weitere 20 Prozent der Erkrankungen treten bei Jugendlichen auf.
Meningokokken treten in
verschiedenen Serotypen auf, die je
nach Region in unterschiedlicher
Häufigkeit auftreten. Während die Unterart A vor allem in
tropischen Gebieten vorkommt, treten die Typen B und C auch in Europa
auf. Gegen den Serotyp B ist bisher keine Impfung verfügbar.
Gegen C-Meningokokken
werden Kinder in Deutschland ab dem vollendeten 12. Lebensmonat
geimpft. Diese Impfung wird seit 2006 von der Ständigen Impfkommission (STIKO) offiziell
empfohlen und seither auch von den Krankenkassen übernommen. Für
Kinder unter zwei Jahren gibt es hierfür einen sogenannten
Konjugatimpfstoff. Hierbei handelt es sich um einen Totimpfstoff, der
aus abgetöteten Teilen der Bakterienhülle hergestellt wird und
zusätzlich an ein Eiweiß gebunden ist, um eine bessere Immunantwort
zu erzielen. Dieser kann die Krankheit nicht auslösen, löst im
Körper jedoch eine Produktion von Antikörpern aus, welche die
Erkrankung im Fall einer Infektion abfangen.
In Österreich wird die
Impfung mit dem Konjugatimpfstoff seit dem Jahr 2010 sogar bereits ab
dem vollendeten 2. Lebensmonat empfohlen. In diesem Fall ist jedoch
eine dreimalige Wiederholung der Impfung mit jeweils vier Wochen
Abstand nötig. Auch in der Schweiz wird seit einiger Zeit die
Impfung gegen C-Meningokokken einmal zu Beginn des 2. Lebensjahrs und
einmal bei Jugendlichen empfohlen und aufgrund ihrer Wichtigkeit im
Rahmen der Grundversicherung übernommen.
Für Kinder ab dem
vollendeten 12. Lebensmonat ist
eine einzige Impfung mit dem
Konjugatimpfstoff ausreichend. Eine Auffrischung empfiehlt sich
zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr. Bei Kindern, die in Länder mit
einem erhöhten Infektionsrisiko reisen, gibt es darüber hinaus die
ACWY-Polysaccharidimpfung, die zugleich gegen die
Meningokokken-Serotypen A, W135 und Y schützt und gegebenenfalls als
Ergänzung verabreicht werden kann. Diese ist jedoch erst ab dem 2.
Lebensjahr sicher wirksam. Ein zweiter verfügbarer
Polysaccharidimpfstoff schützt nur gegen die Serotypen A und C, ist
aber bereits ab dem 18. Lebensmonat wirksam.
Die Schutzwirkung der
Impfstoffe setzt nach etwa zwei Wochen ein. Wurde die Impfung im 12.
(beziehungsweise im 2.) Lebensmonat versäumt, kann sie
bis zum 5.
Lebensjahr nachgeholt werden. Bisher ungeimpfte Jugendliche sollten
sich ebenfalls einmalig impfen lassen, vor allem wenn sie
Sprachreisen ins Ausland planen.