Die Amme, ein Berufsstand in der Geschichte

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Amme: Ein Enges Verhältnis
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Amme: Ein Enges Verhältnis

Vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen Entwicklung boomte der Berufsstand der Amme regelrecht. War früher eine Amme zu dieser geworden, weil sie genug Milch hatte, um neben den eigenen Kindern auch andere Säuglinge zu nähren, gab es bald nicht mehr genug zur Verfügung stehende Ammen für alle Babys. So gibt es Überlieferungen, dass es an manchen Orten sogar regelrechte Ammenzuchten gegeben haben soll. Dabei sorgten Väter für eine Schwangerschaft ihrer Töchter, um diese nach der Geburt des Kindes als Amme vermitteln zu können und der Familie ein Zusatzeinkommen zu sichern. Die Kinder dieser Töchter landeten, sofern sie überhaupt überlebten, meist in Armen- oder Waisenhäusern.  Viele Ammen waren verheiratet und hatten ihre eigene Familie. Man brachte die Babys entweder zu ihnen nach Hause oder die Ammen kamen zu geregelten Zeiten zum Kind. Nur Ammen ohne familiären Anhang wurden gelegentlich ganz in den Hausstand wohlhabender Familien aufgenommen. Dies war eine besonders glückliche Fügung für die zumeist aus sehr armen Verhältnissen stammenden Ammen. Denn eine Amme, die fest zum Personal eines Haushalts gehörte, stand im Ansehen über anderen Bediensteten und wurde gut und reichhaltig versorgt. So wurde die gute Qualität der Milch gewährleistet.
Meist war die Tätigkeit auch als Hausamme zeitlich begrenzt und endete, wenn abzusehen war, dass es in nächster Zeit kein Kind in der Familie geben würde. Auch wenn eine Amme sicher kaum Arbeitslosigkeit befürchten musste, kam es schon häufig vor, dass Tage und Wochen zwischen der Beendigung einer Anstellung und einem neuen Dienstantritt lagen. Um in dieser Zeit nicht Gefahr zu laufen, die eigene Milchproduktion zu verlieren, musste die Amme die Milchdrüsen weiter regelmäßig zur Produktion anregen. Es gibt Überlieferungen, dass manchmal ältere Kinder gegen Bezahlung die Milch absaugten, vereinzelt soll es auch Ammen gegeben haben, die Hundewelpen vorübergehend stillten.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein regelrechter Markt für Ammen. So wurden beispielsweise Ammen aus bestimmten Regionen bevorzugt. Während im südlichen Deutschland vor allem Ammen aus Böhmen erwünscht waren, schmückten ab Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin Ammen aus dem Spreewald das Stadtbild. Dies rührte daher, dass die Kinder von Kaiser Wilhelm II von einer Spreewälder Amme genährt worden waren und es daher als besonders vornehm galt, die eigenen Kinder ebenfalls von einer Amme aus dieser Region versorgen zu lassen. Mit Stolz trugen die Ammen ihre regionalen Trachten und genossen großes Ansehen.

Allgemein wurden Ammen mit mehr Erfahrung, also auch ältere Frauen, bei der Anstellung bevorzugt. Je mehr Kinder sie gesund über die Stillzeit begleitet hatten, desto höher war ihre Referenz. Jedoch musste eine Amme immer auch versuchen, für ihre Zukunft vorzusorgen, wenn sie nicht mehr stillen konnte. Ammen mit eigener Familie und eigener Versorgung waren daher im Alter meist besser abgesichert. Alleinstehende hingegen hatten nur selten das Glück, in einer Familie, deren Kinder sie gestillt hatte, bleiben zu können. Konnte sie nicht genügend Geld zusammen sparen, um sich eine kleine Existenz aufzubauen, von der es sich spärlich leben ließ, blieb ihnen - vor allem im Mittelalter - meist nur das Armenhaus.

Im Verlauf der Geschichte verdankten unzählige Kinder Ammen ihr Überleben. Die Ammen waren ein wichtiger Bestandteil des täglichen Überlebens, sei es aus Not heraus oder durch auferlegte gesellschaftliche Normen. Ammen waren ebenso wichtig wie Hebammen und Ärzte. Und doch wurden sie in der Geschichtsschreibung kaum erwähnt, wie selbstverständlich behandelt, so dass heute zumeist nur wenig über Ammen bekannt ist.
[SyKo]

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