In der Geburtsmedizin
spricht man von Nabelschnurvorfall, wenn sich die Nabelschnur bei
intakter oder gesprungener Fruchtblase unter dem ungeborenen Kind
befindet. Besonders bei einem vorzeitigen Blasensprung, wenn
sich das Köpfchen des Babys noch nicht tief genug im Becken befindet
und das Fruchtwasser in großer Menge schwallartig abgeht, entsteht
eine Sogwirkung, bei der die Nabelschnur zwischen Kind und
Gebärmutterausgang geraten kann. Setzen nun die Wehen ein,
drückt der auf den Muttermund pressende Kopf des Babys die
Nabelschnur zusammen. Der Fötus unterbindet also seine eigene Blut-
und Sauerstoffversorgung, was innerhalb weniger Minuten eine massive
Unterversorgung des Babys mit Atemnot und Pulsschwäche zur Folge
hat. Dies kann schlimmstenfalls auch zum Tod führen.
Ist dieser Notfall eingetreten, ist allerhöchste Eile geboten und das Kind muss
sofort per Kaiserschnitt entbunden werden. Bis zu dem Eingriff wird
die Hebamme oder der behandelnde Arzt versuchen, den Kopf des Kindes
durch die Scheide wieder nach oben zu schieben, um die kindliche
Versorgung wieder zu gewährleisten.
Was kannst Du im
Fall eines vorzeitigen Blasensprungs tun, um einen Nabelschnurvorfall zu
vermeiden?
Erst einmal tief durchatmen, Ruhe bewahren und den
Krankenwagen in die nächste Geburtsklinik rufen. Aufhören
herumzulaufen, sich hinlegen, das Becken hochlagern und dabei auf die
Bewegungen Deines Kindes im Bauch achten. Sind diese normal, braucht es
nicht so große Eile, sind sie aber panisch oder meldet sich das Baby
gar nicht mehr, zählt jede Sekunde und das Becken sollte so hoch wie
möglich über den Bauch gelagert werden.
Zwar
tritt der Nabelschnurvorfall nur selten auf, in circa drei Prozent
der Fälle, aber um sicher zu gehen, lass Dir am besten bei den
Vorsorgeuntersuchungen am Ende der Schwangerschaft sagen, ob sich das
Köpfchen bereits ins Becken gesenkt hat. Ist dies nämlich
passiert, ist die Gefahr eines Nabelschnurvorfalls gebannt!
[AKH]