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Der Liebestest

Liebe

Meine lieben Geschlechtsgenossinnen, ich garantiere Euch, der Anblick war unbezahlbar!

Er wand sich, stotterte, verhaspelte sich, wusste nicht, wie er aus der Nummer wieder herauskommen könnte und doch kämpfte er wie ein Löwe, weil er nicht sicher sein konnte, ob ich Spaß oder ernst mache.

Jedes Gegenargument zerlegte ich. Er könne dann nachts nicht mir kuscheln, da ich ja dann ein Mann sei und ich fragte, was das mit meinem Charakter zu tun habe. Er sagte, küssen könnte er mich dann auch nicht mehr und ich fragte, was das mit meinem Charakter zu tun habe. Händchen haltend Spazierengehen wäre dann auch undenkbar für ihn und wieder fragte ich, was das denn mit meinem Charakter zu tun hätte. Er fühlte sich wie das Spinnenmännchen, kurz bevor das Weibchen ihn frisst und war sich dessen so bewusst, dass ich fast Mitleid hätte bekommen können. Wenn das Ganze nicht so viel Spaß gemacht hätte!

“Du sagst immer, Du möchtest, dass ich glücklich bin!” raunzte ich, in gespielter Enttäuschung. “Ja, natürlich möchte ich das.” versuchte er verzweifelt einzuwenden “Aber nicht, wenn Du dann ein Mann bist!”
“Das heißt,” ich musste zu Boden sehen, um mir beim Anblick seines panischen Gesichtsausdrucks das Lachen verkneifen zu können “Du würdest es eher in Kauf nehmen, dass ich mich unglücklich im Körper einer Frau gefangen fühle, als dass ich glücklich im Körper eines Mannes wäre?”

Achim brachte nun kaum noch einen zusammenhängenden Satz heraus. Er wusste, es war Zeit, die Flügel zu strecken, zuzugeben dass der Satz “Ich liebe vor allem Dein Inneres” einer dieser Pauschalsätze war und dass er gerade begriff, einen Fehler gemacht zu haben, als er dachte, ich ließe mich mit diesen Sprüchen leicht zufrieden stellen.

Wie ein Schrei brach es aus ihm heraus “JAAAA, ich gebe zu, es ist nicht nur Dein Charakter! Ja, ich liebe Dich auch dann noch, wenn Du dicker wirst und würde Dich auch dann noch lieben, wenn Du die Brüste im Alter aufrollen müsstest. Ich liebe das alles an Dir, weil DU das bist. Du, meine FRAU, weiblich und vertraut!” Grinsend sah ich ihn an. “Na bitte, es geht doch!” schmunzelte ich. “Was geht?” verwirrt starrte er mich an. “Dass Du mir mal wirklich sagst was und warum Du es an mir liebst. Anders hätte ich ja wieder nur einen pauschalen Spruch gekriegt.”

Vorsichtshalber rückte ich ein Stückchen ab, bevor mich sein Schnaufen von der Couch pustet. Entgeistert , blass, kalter Schweiß auf der Stirn und völlig verdattert. Die Augen wurden enger, wie kleine Schlitze. “Hast Du mir jetzt hier einen Bären aufgebunden, nur um herauszufinden, was ich an Dir liebe? Warum machst Du so was?”

Ich lächelte. “Warum wohl? Ich wollte Dir nur mal zeigen, dass Du manchmal Sachen sagst, die Du vielleicht gar nicht so meinst und außerdem wollte ich wissen, was Du wirklich an mir liebst. Und das hast Du ja eben. Als Du sagtest, meinen Charakter zu lieben, tat das sogar ein bisschen weh, weil es sich wie eine Bestätigung anfühlte, zu fett zu sein, um geliebt werden zu können. Aber jetzt weiß ich, dass Du mich auch rund gern hast.” Wir lachten uns an und mit den Worten “Komm her mein Dickerchen” zog er mich in seine Arme. Während ich nun da an seiner Brust lag wusste ich bereits, es würde eine neue Chance geben, ihn bei den Hörnern zu packen und das sagen zu lassen, was Frau so gern hören möchte.

Selbst beim Einschlafen kicherte mein Mann noch ein bisschen und nuschelte “Frauen, komplizierter geht’s gar nicht mehr!”.
Irrtum, mein Lieber, WIR sind gar nicht so kompliziert. WIR wissen nur, was wir wollen!







quelle » Dr. Gerhard Oellinger für Mamiweb

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