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3 Phasen der Geburt

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Das Baby ist da

Nach mehr oder weniger 40 Wochen, in denen die werdende Mami sich darauf einstellen kann, ist es endlich soweit: die Geburt ist ein einzigartiges Ereignis und jede Geburt verläuft anders. Einen "normalen" Geburtsablauf zu beschreiben ist daher schwierig.

Die Geburt wird in drei Phasen unterteilt: Eröffnungsphase, Austreibungsphase und Nachgeburtsphase. Diese kündigt sich meistens mehrere Stunden vorher an. Bevor man in die Klinik muss, bleibt in der Regel noch Zeit dafür, sich auf das Kommende einzustellen, etwas zu essen oder zu trinken, ein Bad zu nehmen und noch die letzten Vorbereitungen treffen.




Die Eröffnungsphase

Ab einer Muttermund-Weite von 2cm und regelmäßig auftretenden Wehen - etwa alle 5 Minuten - spricht man von der Eröffnungsphase. Die Geburtswehen kommen ab dann in immer geringeren Abständen und der Muttermund öffnet sich dabei. Diese Phase dient dazu den Muttermund zu dehnen, was bei Erstgebärenden bis zu 14 Stunden dauern kann, meist kürzer bei weiteren Geburten.

  • Die Latenzphase
Diese Phase ist die längste und kann bis zu acht Stunden andauern. Während dessen öffnet sich der Muttermund nur einige Zentimeter. Die Wehen werden häufiger und länger. So steigern sich diese von 2-3 Wehen in einer halben Stunde auf 2-3 Wehen in zehn Minuten.
Währenddessen kann die Mutter helfen, dass die Geburt so gut verläuft wie möglich. Die Dehnung des Muttermundes kann aktiv unterstützt werden durch Herumlaufen und Übungen, die den Beckenboden entlasten; angewinkelte Knie, Hüftkreisen und Hockstellung sind dabei hilfreich. Jedoch sollte die Kraft noch eingspart werden,ein entspanntes Bad wäre jetzt genau das Richtige.

  • Die Aktivphase
Diese Phase ist kürzer und kann bis zu fünf Stunden dauern. Dabei werden die Wehen noch intensiver und kommen in immer kürzeren Abständen. In dieser Phase öffnet sich der Muttermund bis auf 10 cm, die für das Köpfchen des Babys gebraucht werden. Jetzt müssen die anstrengenden Wehen richtig veratmet werden. Die wehenfreie Zeit sollte bewusst und vollständig zur Erholung und Kräfte tanken genutzt werden. In der Regel erfolgt in der Eröffnungsphase der Blasensprung, sodass dadurch das Köpfchen noch mehr auf den Muttermund drückt und stärkere Wehen mit sich bringt. Ist dies nicht der Fall, kann ein Blasensprung hergeleitet werden.

  • Die Übergangsphase
Nun ist der Muttermund bereits vollkommen geöffnet, aber das kindliche Köpfchen muss noch durch ihn hindurch treten und tiefer in das Becken gleiten. Die Wehen während der Übergangsphase werden meist als die schlimmsten überhaupt beschrieben. Gerade jetzt fällt es auch schwerer, sich in den Wehenpausen zu entspannen. Der Drang zum Mitpressen ist jetzt ganz groß, so sollte diesem noch nicht nachgegangen und damit bis zur Austreibungsphase gewartet werden. Wichtig ist in dieser Phase die Unterstützung durch den Geburtsbegleiter und die Hebamme, da es die schwierigste Zeit während der Geburt für die werdende Mutter ist. Klingt leichter als es ist, doch sich jetzt zu verkrampfen erschwert die Geburt für Mutter und Kind. Deswegen sollte bewusst versucht werden, seinen Körper nicht zu versteifen, sondern zu lockern. Die Übergangsphase dauert dafür nicht sehr lange.

Die Austreibungsphase

Jetzt fängt wahrscheinlich die anstrengendste Geburtsphase an. Auch für das Kind wird es jetzt stressig, deshalb werden die Herztöne des Kleinen per CTG übrwachst, um schnell eingreifen zu können, falls die Versorgung des Kindes nicht optimal sein sollte. Die Austreibungsphase kann sich bei der ersten Geburt bis zu 2 Stunden hinziehen und wird bei allen weiteren in der Regel kürzer.

  • Die frühe Austreibungsphase
Die Wehen kommen nun fast minütlich und das Kind drückt sehr stark nach unten. Dabei bekommt auch der Darm eine Menge Druck ab und kann sich unkontrolliert entleeren. Dieses bekommt die Gebärende meist nicht mit und ist für die Hebammen und Geburtshelfer völlig normal und nicht der Rede wert. Falls mal etwas daneben geht, wird es auch sofort weggeräumt.

  • Die Pressphase
Es folgt der Höhepunkt der Geburt. Ist das Baby nun optimal am Beckenboden angekommen, stellt sich der Körper auf das Hinausschieben um. Die Wehen erfolgen schnell hintereinander, manchmal ohne spürbare Pause dazwischen. Meist reichen sie aus, um das Kindchen voran zu schieben, ohne Hilfe der Mutter. Diese sollte sich so lange wie möglich zurückhalten, um Kraft zu sparen. Erst wenn der Pressdrang überwältigend scheint, kann sie sich dem Gefühl voll und ganz überlassen.

Eine sanfte Vorgehensweise ist hierbei wichtig. Wenn das Köpfchen des Babys aus der Scheide getreten ist, sollte die werdende Mutter aufhören zu pressen, da der Damm sich sonst nicht schnell genug dehnen und somit reißen könnte. Hier sollte die Mutter durch die Wehen durchatmen, das sogenannte Hecheln aus dem Geburtsvorbereitungskurs kommt zum Einsatz. Sobald das Köpfchen draußen ist, geht der Rest relativ schnell, oft noch von einem Schwall Fruchtwasser begleitet.

Heutzutage lässt man die Frauen den Rhythmus von Pressen und Ausruhen bestimmen, da sie so langsamer erschöpft ist. In dieser Phase ist die Unterstützung durch den Geburtsbegleiter sehr wichtig, da die Mutter voll auf die Wehen konzentriert ist: man kann sie massieren, ihr etwas zu trinken geben oder ermunternde Worte sagen.


Geburtsvorgang

Die Eröffnunfsphase
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Die Nachgeburtsphase

Nachdem das Baby geboren wurde, folgen die Plazenta und Reste der Fruchtblase, die nun nicht mehr gebraucht werden. Nachwehen stoßen diese Teile bis zu eine Stunde lang ab. Im Vergleich zu den Geburtswehen sind sie nicht sehr schmerzhaft, werden von der Mutter oftmals gar nicht bemerkt, da sie mit dem Baby beschäftigt ist. Diese Phase wird manchmal durch die Gabe eines Wehenmittels und einem Zug an der Nabelschnur (Cord-Traction) unterstützt. Solange keine zu starken Blutungen vorliegen, kann in Ruhe auf die Nachgeburt gewartet werden. Ebenfalls hilfreich können eine Bauchmassage, Stillen bzw. Stimulation der Brustwarzen, aufrechte Lage oder Akupunktur sein.

Wenn alles nichts hilft oder der Mutterkuchen sich nicht vollständig gelöst hat, muss dieser in Periduaralanästhesie (PDA) oder in Narkose von Hand oder durch Abschaben der Gebärmutter heraus geholt werden, um gefährliche Infektionen und Nachblutungen zu verhindern. Wenn Verletzungen im Bereich des Damms, Geburtskanals oder der Scheide vorliegen, müssen diese versorgt werden. Danach ist die Geburt beendet.


Was nach der Geburt passiert

Nach der Geburt folgen ein paar wichtige Schritte. Zum Einen muss das Kind abgenabelt werden, wobei es noch einige Zeit tiefer als die Plazenta liegen sollte, damit das Blut aus der Nabelschnur ungehindert zu ihm hin fließen kann. Bis dahin wird mögliches Fruchtwasser aus dem Nasen-Rachenraum abgesaugt. In Notfallsituationen ist eine sofortige Abnabelung nötig.

Unmittelbar nach der Geburt ist der Kontakt mit Mutter bzw. den Eltern ganz wichtig. Damit beginnt die Prägung als Grundstein einer guten Beziehung. Zeit alleine mit dem Kind ist dabei sehr wichtig. Es ist nicht nötig, das Kind gleich zu untersuchen und anzuziehen, im Gegenteil: Hautkontakt ist ganz essenziell. Viele Babys fangen auch schnell an zu trinken.

Zur Erfassung des Gesundheitszustandes des Kindes werden einige Untersuchungen durchgeführt. Die Erstuntersuchung (Apgar-Test) erfolgt kurz nach der Geburt, sowie 5 und 10 Minuten danach vom Arzt oder der Hebamme. Dabei wird der sogenannte Apgar-Index verwendet, der in Punkten 5 Kriterien erfasst: Herzreaktion, Atmung, Hautfarbe, Muskeltonus und Reflexe. Die erreichte Punktzahl wird im Mutter-Pass vermerkt. Eine viertel bis halbe Stunde nach der Geburt werden unter anderem Gewicht, Größe, Kopfgröße, Geschlecht und Herztöne ermittelt.

[LL, NaK]


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quelle » Dr. Gerhard Oellinger für Mamiweb

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