Flimmerkiste? Nicht gut fürs Kind.
Fernsehen gehört zu unserem heutigen Leben dazu und viele Mamis setzen auch ihre Kleinsten schon vor den Bildschirm, um sie zu unterhalten, wenn sie selbst keine Zeit dazu haben. Doch ist das gut für die Entwicklung des Kindes? Schadet Fernsehen dem Baby oder können Mamis ihre Sprösslinge bedenkenlos in die Flimmerkiste schauen lassen?
Für Babys und Kleinkinder ist der Kontakt zu anderen Menschen und das gemeinsame Spiel das Wichtigste. Durch intensives Spielen machen sie wertvolle Erfahrungen, aus denen sie lernen und sich weiterentwickeln. Spielen ist also Lernen. Können Kleinkinder auch beim Fernsehschauen lernen? Antworten gibt es hier.
Fakt ist, dass Kinder
früher oder später beginnen, sich für Medien zu interessieren. Den
Kontakt können die Eltern nicht komplett verbieten, schließlich
sind Fernsehen und Computer fest in unserer modernen Welt verankert.
Aber das WAS, AB WANN und WIE VIEL können und müssen die Eltern bestimmen.
Klare Grenzen und Regeln erleichtern den Umgang mit diesen Medien.
Bis zu einem Alter von drei Jahren gibt es für Kinder Spannenderes zu
entdecken als den Fernseher – er sollte tabu sein. Kinder müssen
sich ausprobieren, spielen, aktiv sein. Fernsehen ist unwirkliches
Geschehen, es kann nicht gefühlt werden, Interaktion ist unmöglich
und der Fernseher reagiert nicht auf das Kind. Er ist komplett
passiv. Also kann er auch aus bleiben, oder? Außerdem kann das
Gehirn des Kindes noch gar nicht verarbeiten, was es sieht. Die
inszenierten Bilder verwirren, die schnellen Schnitte irritieren die Kleinen.
Selbst Kinder im
Kindergarten- und Vorschulalter tun sich noch schwer, längeren
Filmpassagen zu folgen und konzentriert zu bleiben. Unheimliche
Szenen führen nicht selten zu Albträumen und Ängsten. Zwischen vier und fünf Jahren empfehlen sich Sendungen mit leichten und lustigen
Handlungsabläufen wie zum Beispiel die Sendung mit der Maus. Kurze
Beiträge, Geschichten und viele bunte Bilder können vom Kind gut
verarbeitet werden. Computerspiele sind frühestens ab vier Jahren
geeignet. TV-Konsum von mehr als 30 Minuten am Tag führt oft zu
Lernschwierigkeiten, Übergewicht, Aggressivität sowie
Konzentrationsschwächen.
Fernseh-Forschung
Hirnforscher warnen vor
den negativen Folgen des Fernsehkonsums. Oft beobachten sie, dass
Kinder, die viel Fernsehen schauen, hinter den sprachlichen
Fähigkeiten von Gleichaltrigen zurückbleiben. Das liegt daran, dass
Gesprochenes nicht wiederholt wird, sich Dialoge nicht dem Tempo des
Kindes anpassen und keine Interaktion stattfindet. Lesen Eltern ihren
Kindern regelmäßig vor, können Laute, Worte, Sätze und ganze
Passagen wiederholt und gemeinsam mit dem Kind erarbeitet werden.
Lippenbewegungen können abgeschaut und nachgeahmt werden – so
lernt das Kind Laute zu unterscheiden.
Verschiedene Tests haben
immer wieder bewiesen: TV-Konsum fördert nicht das Lernen. Babys und
Kleinkinder lernen ganzheitlich, durch die Anregung aller Sinne,
durch Erleben und Erforschen. Durch aktives Erfahren lernt das Kind,
seine Sinneseindrücke zu verarbeiten und einzuordnen. Eine tote
Kiste erfüllt diese Lernansprüche nicht. Das beweist, so der
Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer aus Ulm, auch eine US-Studie: Eine
Gruppe von 9 bis 12 Monate alten Babys bekam Geschichten auf
Chinesisch vorgelesen. Eine zweite Gruppe hörte die selben
Geschichten aus dem Fernsehgerät. Am Ende konnten die Kinder der
ersten Gruppe die chinesischen Laute erkennen – die Fernsehgruppe
dagegen hatte nichts gelernt.
Zudem steigt mit regelmäßigem
Vorlesen auch die Zahl der gelernten Wörter – nämlich um acht Prozent gegenüber dem Durchschnitt. Kinder, die viel Baby-TV geschaut
hatten, wiesen einen 20-prozentig geringeren Wortschatz auf.
Fernseh-Regeln:
- kein TV-Konsum unter 3
Jahren
- ab 3 Jahren nicht mehr
als 30 Minuten täglich
- kein Fernseher im
Kinderzimmer
- Kinder nicht alleine
schauen lassen, sondern das Gesehene gemeinsam besprechen
- nur altersgerechte
Formate sehen lassen
- das Kind aufmerksam
beobachten – hat es Angst, bekommt es Albträume?
- kein TV-Konsum beim Essen
– lenkt unnötig ab
- kein TV-Konsum als
Hintergrundkulisse
- kein TV-Konsum vor dem
Schlafengehen
- lange Filme in
altersgerechte Portionen aufteilen
[AKL]