Fakt ist, dass Kinder
früher oder später beginnen, sich für Medien zu interessieren. Den
Kontakt können die Eltern nicht komplett verbieten, schließlich
sind Fernsehen und Computer fest in unserer modernen Welt verankert.
Aber das WAS, AB WANN und WIE VIEL können und müssen die Eltern bestimmen.
Klare Grenzen und Regeln erleichtern den Umgang mit diesen Medien.
Bis zu einem Alter von drei Jahren gibt es für Kinder Spannenderes zu entdecken als den Fernseher – er sollte tabu sein. Kinder müssen sich ausprobieren, spielen, aktiv sein. Fernsehen ist unwirkliches Geschehen, es kann nicht gefühlt werden, Interaktion ist unmöglich und der Fernseher reagiert nicht auf das Kind. Er ist komplett passiv. Also kann er auch aus bleiben, oder? Außerdem kann das Gehirn des Kindes noch gar nicht verarbeiten, was es sieht. Die inszenierten Bilder verwirren, die schnellen Schnitte irritieren die Kleinen.
Selbst Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter tun sich noch schwer, längeren Filmpassagen zu folgen und konzentriert zu bleiben. Unheimliche Szenen führen nicht selten zu Albträumen und Ängsten. Zwischen vier und fünf Jahren empfehlen sich Sendungen mit leichten und lustigen Handlungsabläufen wie zum Beispiel die Sendung mit der Maus. Kurze Beiträge, Geschichten und viele bunte Bilder können vom Kind gut verarbeitet werden. Computerspiele sind frühestens ab vier Jahren geeignet. TV-Konsum von mehr als 30 Minuten am Tag führt oft zu Lernschwierigkeiten, Übergewicht, Aggressivität sowie Konzentrationsschwächen.
Fernseh-Forschung
Hirnforscher warnen vor den negativen Folgen des Fernsehkonsums. Oft beobachten sie, dass Kinder, die viel Fernsehen schauen, hinter den sprachlichen Fähigkeiten von Gleichaltrigen zurückbleiben. Das liegt daran, dass Gesprochenes nicht wiederholt wird, sich Dialoge nicht dem Tempo des Kindes anpassen und keine Interaktion stattfindet. Lesen Eltern ihren Kindern regelmäßig vor, können Laute, Worte, Sätze und ganze Passagen wiederholt und gemeinsam mit dem Kind erarbeitet werden. Lippenbewegungen können abgeschaut und nachgeahmt werden – so lernt das Kind Laute zu unterscheiden.
Verschiedene Tests haben immer wieder bewiesen: TV-Konsum fördert nicht das Lernen. Babys und Kleinkinder lernen ganzheitlich, durch die Anregung aller Sinne, durch Erleben und Erforschen. Durch aktives Erfahren lernt das Kind, seine Sinneseindrücke zu verarbeiten und einzuordnen. Eine tote Kiste erfüllt diese Lernansprüche nicht. Das beweist, so der Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer aus Ulm, auch eine US-Studie: Eine Gruppe von 9 bis 12 Monate alten Babys bekam Geschichten auf Chinesisch vorgelesen. Eine zweite Gruppe hörte die selben Geschichten aus dem Fernsehgerät. Am Ende konnten die Kinder der ersten Gruppe die chinesischen Laute erkennen – die Fernsehgruppe dagegen hatte nichts gelernt.
Zudem steigt mit regelmäßigem Vorlesen auch die Zahl der gelernten Wörter – nämlich um acht Prozent gegenüber dem Durchschnitt. Kinder, die viel Baby-TV geschaut hatten, wiesen einen 20-prozentig geringeren Wortschatz auf.
Fernseh-Regeln:
[AKL]
Die Entwicklung des Babys ist eine spannende und aufregende Zeit. Gerade in den ersten 24 Monaten passiert unglaublich schnell unglaublich viel und natürlich möchten die Eltern wissen, wie die einzelnen Entwicklungsschritte aussehen. In unserem eXtra Babyentwicklung erfährst Du alles über Sprache, Motorik und psychosoziale Entwicklung des Babys. Auditive Wahrnehmung, visuelle Wahrnehmung, altersgerechte Spielmöglichkeiten, TV-Konsum, die kognitive Entwicklungstheorie nach Jean Piaget, Eltern-Kind-Bindung, Mutter-Kind-Bindung nach einem Kaiserschnitt, Vater-Kind-Bindung sowie Gebärdensprache bei gehörlosen Kindern sind weitere spannende Artikel dieses eXtras. Viel Spaß beim Schmökern!