Nach der Entlassung aus der Klinik brauchen Frühgeborene in der Regel erst einmal ein Weilchen, bis sie sich an die neue Umgebung zu Hause gewöhnt haben. Eltern erkennen dies daran, dass sich die Frühchen anders verhalten, als sie es auf der Neugeborenenstation getan haben. Auch benehmen sie sich generell anders als reif geborene Geschwisterkinder. Dies liegt daran, dass sie oft verwirrt und empfindlich auf Veränderungen und neue Reize reagieren. Manche Frühchen haben darüber hinaus spezielle Handicaps, so dass ihre Vitalfunktionen wie Atmung und Herzschlag per Monitor überwacht werden müssen. Bis der Umgang mit den Kleinen zu Hause zur Routine geworden ist, können also einige Wochen vergehen.
Hier kann die Begleitung
durch eine Hebamme, eine Stillberaterin oder eine
Kinderkrankenschwester eine echte Entlastung für die Eltern
bedeuten. Man kann aber auch versuchen, eine Haushaltshilfe zu
bekommen. Liegt ein ärztliches Attest vor, dass den Bedarf
bescheinigt, werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Auch
durch Verwandte, die das Baby ab und zu versorgen, können Freiräume
geschaffen werden. Je
entspannter Mami oder Papi sind, desto ruhiger wird das Baby und es
lässt sich eine Beziehung gestalten, in der keiner
vollständig die Tagesroutine des anderen bestimmt.
Dies ist aber oft
leichter gesagt als getan. Zumal die Gedanken, die um die Entwicklung
des Babys kreisen, natürlich ständig präsent sind. Nimmt es beispielsweise genug
Gewicht zu? Und trinkt es auch ordentlich? Während das Baby in der
Klinik noch jeden Tag gewogen wird, ist dies zu Hause nicht mehr
nötig. Solltest Du Dir aber trotzdem unsicher sein, kannst Du das
Baby vom behandelnden Arzt wiegen lassen. Was die Anzahl der
Mahlzeiten, die Gewichtszunahme allgemein und die Trinkmenge angeht, gibt es bei jedem Kind Unterschiede. Genau wie bei all den anderen
Fortschritte, die es macht.
Normal ist, dass sich das
Baby eventuell häufiger zum Stillen meldet als es das im Krankenhaus
getan hat. Auch hier muss es sich erst noch an die neue Situation
gewöhnen. Ist Deine Milchproduktion gehemmt, kann es hilfreich sein, das Baby immer wieder anzulegen, damit sich der Milchfluss
normalisiert. Auch das weitere Anwenden des „Känguruhens“ hat
positive Auswirkungen auf alle Beteiligten, mindert es doch etwaigen
Stress und lässt Mami und Baby zu Ruhe kommen.
Wird das Baby
durch das Stillen allein nicht mehr satt, kann in Absprache mit dem
Arzt oder der Hebamme Zusatznahrung gefüttert werden. Generell
verläuft der Nahrungsaufbau wie bei einem reifgeborenen Baby auch, berechnet vom erwarteten Geburtstermin. Wenn das Stillen gut
funktioniert, kannst Du ruhig sechs Monate bis zur ersten Breikost
vergehen lassen. Empfohlen wird, zuerst mit klaren Gemüsebreien
anzufangen. Also erst nur Karotten, dann Karotten und Kartoffeln und
mit der Zeit weitere Bestandteile. So lässt sich am schnellsten
herausfinden, was dem Kleinen bekommt und schmeckt.
Neben der Ernährung ist
für Frühchen auch ein geregelter Wärmehaushalt wichtig,
schließlich fühlt sich niemand wohl, wenn ihm kalt ist. Daher wird
empfohlen, das Baby in der ersten Zeit zu Hause „einzuhüllen“,
sprich es mit Mütze und in eine Decke gewickelt hinzulegen oder zu
tragen. So wird es an die schützende Atmosphäre in Mamas Bauch
erinnert. Die Körpertemperatur ist in Ordnung, wenn das Baby
entspannt und der Nacken warm, aber nicht schwitzig ist.
Sind die Hände und
Füßchen trotzdem kühl, kann es sein, dass dies vererbt wurde. Mit
ein paar Söckchen oder einer kurzen Massage lässt sich das Problem
aber beheben. Und was trägt das Frühchen, wenn normale Babykleidung noch zu
groß ist? Für Frühchen gibt es spezielle Kleidung in kleinen
Größen. Omas und Tanten bzw. andere Verwandte oder Freunde helfen
aber bestimmt auch gerne mit Selbstgestricktem aus. Noch ein Tipp: Um
Reizungen der Babyhaut zu vermeiden, den Weichspüler weglassen. Der Geruch von Mama und Papa sollte nämlich nicht von
fremden Gerüchen überlagert werden.
[AKH]