Achim Astaire

Knallrote Damenpumps?
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Knallrote Damenpumps?

Mein Mann hat es wieder einmal geschafft! Ausgerechnet er dreht auf dem Firmengelände eine Pirouette, die volle Punktzahl in der Haltungsnote verdient hätte, und verknackst sich den Fuß. Zum Arzt? Das ist doch was für Weicheier! Wer so ein richtiger Mann ist, könnte sich nur mit den Zähnen im Boden festbeißend vorwärts robben. Aber er fragt niemals nur nach einem Pflaster!

So humpelte er schließlich nach Hause, fluchte noch, weil das Missgeschick ausgerechnet zum Wochenende passieren musste und schimpfte, dass er seine gute Erziehung vergäße, wenn er nun gezwungen sei, den Stiefel aufzuschneiden, um den geschwollenen Huf da raus zu bekommen. Wie gut, dass er ein fürsorgliches Weib hat, dass nicht lange Fisimatenten machte, die Mutter anrief und bat, den renitenten Verletzten, ins Krankenhaus zu karren.

Nun saßen wir in der Ambulanz und warteten, aufgerufen zu werden. Achim grummelte, wollte er doch gar keine Hilfe, getreu dem Motto “Was uns nicht umhaut, macht uns nur härter” und schaute sich gelangweilt um. Lesen! Ja, damit ließe sich die Zeit vertreiben.

Nach ein paar wühlenden Griffen schnaubte er, man könne ihm mit dem Müll gestohlen bleiben. Verständnislos sah ich ihn an, folgte dann seinem Blick zum Zeitungstisch und fing an zu lachen. Meist kommt man doch als Verletzter in die Unfall-Ambulanz eines Krankenhauses. Und ausgerechnet da liegen dann Zeitungen, die all die schönen Seiten des Reitsports beschreiben, ... genaueste Instruktionen über den Innenausbau geben, ... auffordern, mehr Sport zu treiben, ... oder einfach nur aufklären, wo doch heutzutage die meisten Unfälle passieren. Wobei da sicher jeder Wartende sein eigenes Kapitelchen drunter setzen möchte.

Endlich wurde Achim aufgerufen und humpelte gequält in eines der Behandlungszimmer. Die Ärztin ließ sich genau erklären, wo es weh tat, drückte hier, drehte dort und zwischen all dem zischte mein Mann immer wieder wie eine Wasserflasche mit Überdruck beim Öffnen. “Sie haben Schmerzen,” stellte die Ärztin schließlich fest und wir wussten, hier sind wir auf eine sehr kluge Frau gestoßen, die einem Albert Schweitzer dicht auf den Fersen war.

Eilig flitzte sie los, holte einen Schein für die Röntgenabteilung sowie einen Rollstuhl. Achims Augen blitzten auf: “Da kriegt mich keiner rein!” “Schatzi, halt die Klappe und setz Dich! Jetzt kriegst Du die Fahrt in den Kreißsaal wieder, wo Du mich zweimal gegen die Fahrstuhltür gefahren hast!”

Ich wette nie zuvor wurde der Streckenrekord unterboten, den ich aufstellte, während ich meinen Mann in dem Rollstuhl zum Röntgen schob. Blass kauerte er in dem Gefährt, leicht grünlich um die Nase und die Röntgenassistentin schaute ihn mitleidig an. “Ja, solche Schmerzen sind nicht schön! Wir beeilen uns, damit ihr Fuß so schnell es geht ruhig gestellt werden kann!” Triumphierend sah ich den beiden hinterher, während sie im Geräteraum verschwanden.

Das Röntgenbild ergab zumindest keinen Bruch, aber es war sehr wahrscheinlich, dass die Bänder ordentlich etwas abbekommen hatten. Nun hatte man aber das Problem, dass gerade bei diesem Wetter viele Schienen gebraucht wurden, da ja viele Leute nach Stürzen ins Krankenhaus kamen, die Herstellerfirma jedoch nicht mit den Lieferungen nachkam.

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