Spektakuläre Medienberichte, die vor Gesundheitsrisiken von Impfungen warnen, verunsichern viele Eltern. Sie geraten in den Konflikt, ihr Kind einerseits vor gefährlichen Krankheiten schützen zu wollen und der Angst, dem Nachwuchs womöglich gerade durch mögliche Nebenwirkungen der Impfungen Schaden zuzufügen. Viele Impfgegner sind eher alternativmedizinisch orientiert, oftmals liegen einer radikalen Impfgegnerschaft aber auch religiöse oder esoterische Überzeugungen zugrunde.
Sind manche Bedenken wirklich nicht ganz aus der
Luft gegriffen, entbehren viele andere jeglicher wissenschaftlichen
Grundlage und kommen durch gefährliche Fehlinformationen zustande.
Ein allgemeines Misstrauen gegenüber staatlichen Einrichtungen, der
Pharmaindustrie oder der konventionellen Medizin kann dabei
zusätzlich zu der Angst vor Impfschäden entscheidenden Einfluss auf die Eltern haben.
Nicht alle der von Impfgegnern verbreiteten Ängste sind allerdings begründet und in den wenigsten Fällen rechtfertigen sie es, Impfungen auszulassen und die Kinder damit gefährlichen Krankheiten auszusetzen. Um Klarheit in die Diskussion zu bringen, haben wir
die häufigsten Argumente gegen Impfungen auf die Probe gestellt.
1. Impfungen schwächen das Immunsystem.Eine
Impfung ist ein Eingriff ins Immunsystem, das durch eine aktive
Immunisierung zur Reaktion angeregt werden soll. Der Körper
versucht, die im Impfstoff enthaltenen Informationen der Erreger
durch Bildung der entsprechenden Antikörper abzuwehren. Dabei können
Symptome wie Hautrötung an der Impfstelle oder leichtes Fieber
entstehen, die im Prinzip eine gesunde Abwehrreaktion des Körpers
anzeigen.
Impfgegner kritisieren häufig, dass durch das Impfen die Auseinandersetzung des Immunsystems mit Krankheitserregern unterbunden werde. Ein unterbeschäftigtes Immunsystem aber richte sich gegen sich selbst, zum Beispiel durch Allergien. Allerdings wird der menschliche Körper permanent mit so vielen Erregern und Keimen konfrontiert, dass eine Schwächung des Immunsystems durch Ausschluss einiger Arten unwahrscheinlich erscheint. Die angeblich harmlosen Kinderkrankheiten hingegen können unter Umständen schwere Folgeschäden mit sich bringen, weshalb man das Risiko einer Ansteckung laut Kinderärzte lieber nicht eingehen sollte.
2. Impfverstärker und Konservierungsmittel sind schädlich.In die Diskussion geraten
auch immer wieder vor allem bestimmte Impfverstärker (Adjuvanzien)
und Konservierungsmittel in Impfstoffen. So steht zum Beispiel Aluminiumsalz im Verdacht, bei empfindlichen Menschen Autoimmunreaktionen
zu triggern oder andere Folgeschäden hervorzurufen. Allerdings
konnte dieser Verdacht bisher nicht hinlänglich bestätigt werden, um Impfungen eine grundsätzliche Gesundheitsgefährdung zu unterstellen.
Ernsthaftere Impfkomplikationen mit bleibenden Schäden treten glücklicherweise alles in allem relativ selten auf.
3. Nicht alle empfohlenen Impfungen sind wirklich nötig.Man kann darüber
diskutieren, ob tatsächlich alle der inzwischen etwa zehn Impfungen
unverzichtbar sind, die alleine für das erste Lebensjahr empfohlen
werden. Also, ob diese unbedingt bereits innerhalb der
ersten 12. Lebensmonate auf das Immunsystem des Babys einwirken
müssen. Eltern stehen hierbei oftmals vor einem Konflikt zwischen
offiziellen Empfehlungen und eigenen Bedenken. Bei einigen Impfungen ist diese Skepsis vielleicht begründet. Andererseits sollte man sich bewusst machen, das offizielle Impfempfehlungen nicht willkürlich und ohne Grund für bestimmte Krankheiten und ein bestimmtes Alter ausgesprochen werden, sondern von Erfahrungswerten herrühren.
Zu welcher rapiden Neuverbreitung von Krankheiten Impfverweigerung führen kann, zeigte eine Masern-Epidemie mit 400 Erkrankten im Jahr 2008 in einer österreichischen Schule, in der die Kinder aus weltanschaulichen Gründen nicht geimpft waren.
4. Kinderkrankheiten sind harmlos, deshalb sind sie ja auch Kinderkrankheiten.Da die Folgen gefährlicher
Krankheiten wie Diphterie oder Kinderlähmung heute gerade dank
langfristiger Impfkampagnen nicht mehr so omnipräsent sind wie noch
vor 50 Jahren, neigen viele Menschen inzwischen dazu, deren
Gefahren zu unterschätzen. Tatsächlich sind diese Krankheiten aber
nicht ausgestorben, sondern können sich bloß aufgrund der hohen
Impfungsquoten in der Bevölkerung nicht mehr ausbreiten. Dies
könnte allerdings jederzeit wieder geschehen, wenn der Impfschutz
aufgrund von Impfmüdigkeit vernachlässigt würde. Impfverweigerer
sollten sich daher bewusst sein, dass sie lediglich von der sogenannten „Herdenimmunität“ der restlichen Bevölkerung
profitieren, welche eine Ausbreitung von Krankheiten verhindert
und
damit auch ungeimpfte Menschen zu einem gewissen Grad schützt.