Verständnis für das Kind in der Pubertät
Die Kraft raubende und belastende Zeit der Pubertät zu überstehen, ist weder für die Heranwachsenden noch deren Familien einfach. Eltern haben das Gefühl,
ihre Kinder nicht mehr zu erreichen, da für die Teenager alle Erwachsenen "blöde Spießer" sind. Oft kommt kein noch so gut gemeintes Wort beim Jugendlichen an, der innerlich dicht macht.
Natürlich haben viele Eltern Verständnis für die Stimmungsschwankungen der Kinder, doch darf darunter nicht das ganze Umfeld leiden müssen. Der
Heranwachsende möchte wie ein Erwachsener behandelt werden. Er beansprucht, dass man ihm Respekt entgegenbringt, also darf man als Erwachsener sehr wohl
das Gleiche von ihm erwarten.
Aus falsch verstandenem
Verständnis die Zügel locker schleifen zu lassen, hilft niemandem.
Die Familie würde umso mehr unter der Launenhaftigkeit leiden und der
Teenager findet nicht die für ihn so wichtigen Grenzen, die er auszuloten sucht. Ganz
klar sollte man dem Jugendlichen immer wieder vor Augen führen, dass er
nicht der einzige Mensch mit Gefühlen ist. Eltern können, dürfen und
sollen daher deutlich sagen, wenn sie verletzt oder traurig sind. Der junge
Mensch möchte wie ein Erwachsener handeln und fühlen, also muss er sich bewusst
werden, dass alle Menschen annähernd gleich empfinden.
Wichtig
ist, zu versuchen, Ruhe und Geduld zu bewahren. Das ist natürlich alles andere
als leicht, wenn einem das eigene Kind ständig provoziert. Ein laut schimpfender Pubertierender, der Türen knallend in sein Zimmer
rennt und mit laut dröhnender Musik signalisiert, für
niemanden ansprechbar zu sein, ist schwer zu nehmen. An seine Vernunft zu appellieren, ist vergeudete Mühe. Ratsamer ist hingegen, dem Jugendlichen den Rückzug zu lassen und geduldig darauf zu warten, dass er sich abreagiert hat. Irgendwann kommen sie alle
wieder aus ihren Zimmern und wenn sie dann eine Diskussion oder Gespräch führen wollen, sollten die Eltern Gesprächsbereitschaft signalisieren. Doch können sie klare Regeln bezüglich Tonfall und Wortwahl einfordern.
Eltern sollten stets ruhig und sachlich ihre
eigenen Argumente vorbringen, wenn es darum geht, Regeln für das Zusammenleben aufzustellen. So kann man einer Vierzehnjährigen, die nicht einsehen möchte, warum sie nicht bis drei Uhr Früh in die Diskothek gehen darf, sehr wohl das
Jugendschutzgesetz erklären. Eltern sorgen sich nicht nur um das Wohl des Kindes, sondern machen sich zudem strafbar, wenn dieses Vorhaben erlaubt wird.
Das häufigste Argument der Kinder "Ich bin alt genug, um auf mich selbst
aufzupassen" kann schon damit widerlegt werden, indem man
dem Kind die eigene Unvernunft vorhält, sich durch diese Unternehmung erwachsener zu fühlen. Etwas zu tun, weil "alle anderen es machen" und dies
durch Machtkämpfe und Aggressionsverhalten durchsetzen zu wollen,
ist eindeutig unreif.
Jugendliche
suchen ihre Grenzen. Stossen sie an diese, werden sie versuchen, sie zu
erweitern. Eltern, die es an liebevoller Konsequenz mangeln lassen,
erschweren den Kindern damit den Weg zum Erwachsenwerden. Denn Heranwachsende, die nicht
lernen, dass sie zum Erreichen eines Zieles Kompromisse eingehen müssen, werden später umso größere Probleme haben, sich gesellschaftlich
zu integrieren.
[SyKo]