Kinderwunschbehandlung

Paar hat KinderwunschÜber sechs Millionen Menschen in Deutschland bleiben, trotz dem festen Wunsch nach einem eigenen Kind, kinderlos. In den meisten Fällen kann eine Schwangerschaft nur mit Hilfe zahlreicher medizinischer Maßnahmen herbeigeführt werden. Doch der Weg zum eigenen Nachwuchs ist in der Regel mit enormen körperlichen und seelischen Strapazen und nicht zuletzt mit hohen finanziellen Belastungen verbunden.

Ungewollte Kinderlosigkeit – Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Das Kind ist bereits geboren, wenn der erste Gedanke an ein Nachwuchs in den Köpfen der werdenden Eltern geboren ist. Denn in der Fantasie ist der Nachwuchs schon da, obschon real noch nichts für seine Entstehung geschehen ist.

Dennoch bleibt der Wunsch nach einem Nachwuchs bei vielen Paaren unerfüllt – wenn medizinisch nicht nachgeholfen wird. Ursachen für die Kinderlosigkeit sind vielfältig. Dabei kann sowohl der Lebensstill als auch die körperliche und seelische Blockade ursächlich sein.

Lebenswandel als Ursache

  • Unter- oder Übergewicht
  • häufige Diäten
  • Alkohol-, Kaffee- und Drogenmissbrauch
  • große körperliche und seelische Belastungen
  • Stoffwechselerkrankung
  • Stress

Körperliche Ursachen

  • Fehlbildung der Eileiter bei Frauen und des Hodens bei Männern
  • Hodeninfektion bei den Männern
  • Abwehrreaktion gegen die Spermien
  • Krankheiten wie Diabetes oder langjährige Chlamydieninfektion
  • Prostataentzündung
  • das Alter
  • Mumps-Infektion im Kindesalter
  • Hormonstörung
  • Psychische Ursachen

In der Medizin ist von einer ungewollten Kinderlosigkeit dann die Rede, wenn die Schwangerschaft trotz des regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs im Zeitraum von ein bis zwei Jahren nicht eingetreten ist. Die Zeit, in der die Schwangerschaft erfolglos angestrebt wird, ist nicht selten von Gefühlen wie Trauer, Ängste, Depressionen, Frustration einhergehend mit Schuldgefühlen und gegenseitigen Vorwürfen geprägt. Insbesondere Partnerschaftskonflikte sind in diesem Zeitraum keine Seltenheit.

Als letzter Hoffnungsschimmer, seinen Kindeswunsch doch noch zu verwirklichen, sehen die meisten Paare in der Kinderwunschbehandlung. Dabei stehen ihnen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, die je nach Erkrankung, seelische und körperliche Belastungsfähigkeit und nicht zuletzt nach Geldbeutel zum Erfolg führen können.

Behandlungsmöglichkeiten auf einen Blick

Medikamentöse Behandlung: Medikamente in Form von Tabletten oder Injektion von Hormonpräparaten, die im Rahmen einer Fruchtbarkeitsbehandlung, einen Eisprung auslösen sollen. Das Risiko: die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsgeburt ist bei dieser Behandlungsmethode deutlich erhöht.

Insemination: Hierbei handelt es sich um eine Therapie, bei der die Kinderlosigkeit nachgewiesenermassen nicht auf die Fehlbildung der Fortpflanzungsorgane des Mannes oder dessen Fortpflanzungsunfähigkeit zurückzuführen ist. Das heißt: Hier wird ein Spermiogramm erstellt, indem die Spermienqualität hinsichtlich der Beweglichkeit, der Dichte und der Langzeitlebensfähigkeit untersucht wird.

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In vitro Fertilisation (IVF): Die IVF ist eine Behandlungsmethode der extrakorporalen Befruchtung. Diese wird angewendet, wenn der Grund für das Ausbleiben einer Schwangerschaft bei der Frau liegt, wie zum Beispiel verschlossene Eileiter oder hormonelle Dysregulationen.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Diese Behandlung eignet sich für Paare, deren Ursache für Kinderlosigkeit in der Unfruchtbarkeit oder eingeschränkten Zeugungsfähigkeit des Mannes begründet wird. Hier werden die Spermien mit Hilfe eines Mikromanipulators direkt in die Eizelle injeziert.

Heterogene Insemination: Diese Behandlungsmethode wird eingesetzt, wenn trotz aller medizinischer Bemühungen die gewünschte Schwangerschaft ausbleibt – insbesondere nach ICSI. Bei dieser Methode wird die Schwangerschaft mit Hilfe einer Fremdsamenspende herbeigeführt. Hier gehen Kinderwunschzentren Kooperationen mit Samenbanken ein und verfügen darüber hinaus über die eigene Samenbank.

Kryokonservierung: In seltenen Fällen müssen Spermien für eine spätere künstliche Behandlung konserviert werden. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn Männer vor einer Chemo- oder Radiotherapie stehen. Dabei werden Gewebstücke aus dem Hoden des Mannes in einer unkomplizierten Operation entfernt und einzelne Spermien isoliert. Diese werden bei -180 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff eingefroren.

Eizellenspende – in Deutschland Illegal, aber für viele die letzte Chance

Bereits mit Mitte 30 kann es für viele Frauen schon zu spät für eine Kinderwunschbehandlung sein. Die letzte Chance, doch noch schwanger zu werden, ist Eizellenspende. In Deutschland illegal und strafbar. Bei dieser Behandlungsmethode wird die Eizelle einer fremden Spenderin mit dem Samen des eigenen Mannes befruchtet und dann in die Gebärmutter eingepflanzt. Für das spätere Kind bedeutet dies, zwei Mütter zu haben: Genetische und leibliche Mutter. Wohingegen für das Muttergefühl hat dies keine Auswirkung. Während die leibliche Mutter eine enge Beziehung zum wachsenden Kind in ihrem Bauch entwickelt, empfindet die genetische Mutter die Beziehung zum Kind als die einer „Tante“ – vorausgesetzt, beide Beteiligten halten Kontakt zu einander.

Wer trägt die Kosten?

Zwar werden die Leistungen einer Kinderwunschbehandlung im Kinderwunschzentrum, insbesondere Anwendungen der IVF- und ICSI-Methode, sowohl von der gesetzlichen als auch privaten Krankenkasse anteilig übernommen, dennoch unterscheiden sich die beiden Leistungsträger hinsichtlich des Leistungsumfangs deutlich voneinander. Seit dem 1.1.2004 werden nur noch 50 Prozent der Behandlungskosten von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Auch die Erstattungsfähigkeit der privaten Krankenkasse, obschon die PKV mehr erstattet als die GKV, kann im Einzelfall streitig sein, besonders dann, wenn:

  • unterschiedliche Versicherungsverhältnisse herrschen (GKV/PKV/Beihilfe),
  • nichteheliche Lebensgemeinschaft vorliegt
  • oder die Kinderwunschbehandlung im Ausland vorgenommen wird.

Auch bei Zusatzkosten, zum Beispiel für Assisted Hatching Polescop, Kryokonservierung oder Polekörperdiagnostik kann der Leistungsträger die Kostenerstattung zum Teil oder ganz verweigern.

Der Eigenanteil für gesetzlich Versicherte kann pro Behandlung bis zu 1800 Euro betragen – je nach Art und Umfang der Behandlungsmethode. Sprengt der Leistungsumfang den gesetzlich vorgegebenen Rahmen, so kann der Versicherte auf den gesamten Kosten sitzen bleiben. Für Behandlungen im Ausland muss der Patient vollumfänglich selbst aufkommen.

Ehepaare können einen Teil der Behandlungskosten bei der Steuerklärung als „außergewöhnliche Belastung“ geltend machen.

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