Baby-study-work-life-Balance: mein Leben als Studentenmama

Ein Gastartikel von “Frauheute”.

Ich bin die Frauheute, 27, Studentin.
Und ich bin Mama.

Frauheute im Mamiweb-Shirt

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Seit 1,5 Jahren blogge ich unter dem Pseudonym “frauheute” auf Instagram und lasse so andere Mamas an unserem Alltag als junge Studentenfamilie teilhaben.

Denn unser Alltag ist vor allem eins: Laut. Bunt. Chaotisch – und voller Liebe.

Vor unfassbar langen Jahren habe ich mal eine Ausbildung zur Erzieherin absolviert und im Anschluss daran mein Abitur nachgeholt. So kam es, dass ich meine erste Tochter bereits im zarten Alter von 21 Jahren, nur 9 Monate vor der Abiturprüfung, zur Welt brachte.

Ich würde lügen wenn ich sagen würde, es wäre leicht gewesen. Ich würde ebenfalls lügen wenn ich sagen würde, es wäre schwer gewesen. Vor allem war es eine Frage der Organisation und der Beharrlichkeit. Eine Frage der Disziplin, der Belastungfähigkeit und des Durchhaltevermögens.

Während meine Mitschüler den ganzen Tag lernten, beschränkte sich meine effektive Lernzeit auf die Abendstunden. Tagsüber war ich Vollblutmutter – Nachts Schülerin. Tagsüber kochte ich Brei, wechselte Windeln, spielte Fingerspiele und besuchte Babyschwimmkurse – Nachts trank ich Kaffee, lernte Vokabeln und übte Stochastik.

Ich hatte nie das Gefühl etwas zu verpassen, im Gegenteil.

Ich war dort angekommen, wo ich immer hinwollte: Ich wollte junge Mutter UND Akademikerin sein. Ich weigerte mich anzuerkennen, dass Familie und Karriere sich nicht vereinbaren ließen. Denn mein Mutter-Sein behinderte mich nicht in meinem Vorhaben, im Gegenteil, es beflügelte mich. Es gab meinem Tun einen noch tieferen Sinn. Und so kam es, dass ich mein Abitur als Drittbeste des Jahrgangs absolvierte und direkt für den Studiengang „Psychologie“ zugelassen wurde.

An der Uni sah das Ganze schon ein wenig anders aus. Studieren mit Kind ist ein bisschen wie Abenteuerurlaub. Man weiß heute nicht, was morgen kommt. So konnte es durchaus sein, dass meine Tochter eine Woche vor einer wichtigen Prüfung krank wurde, die Kita geschlossen hatte oder mir der Nachtschlaf geraubt wurde. Grob geschätzt liefen 50% planmäßig, die anderen 50% taten es nicht. Das Blöde war nur, dass man hier ganz besonders von der Gutwilligkeit des jeweiligen Dozenten abhängig war. In meinem Fall führte das sogar schon bis zum Familienbüro, denn: den Fall kennt jeder: Frau Dr. Dr. Dr. Superschlau, mitte Dreißig, keine Kinder, findet: „Studieren mit Kind passt nicht. Ist doch Ihr Problem, wenn ihr Kind nicht in die Kita kann, nicht meines“. Die Folge: Sie bekam Unrecht, ich bekam Recht und durfte das Seminar um neun Uhr besuchen, nicht um 07:45.

Während des Semesters bin ich tiefenentspannt, während der Prüfungsphase ein Zombie.

Dann schlafe ich nur 4-5 Stunden die Nacht, trinke 2 Liter Kaffee, 5 Red Bull und esse drei Tafeln Schokolade.
Da die Prüfungsphasen glücklicherweise nur wenige Wochen des Jahres in Anspruch nehmen, haben wir uns 2013 dazu entschieden: “Studentenkinder sind gute Kinder! Wir wollen noch ein Baby!”.

Und wie das Leben so läuft: Im November 2014 erblickte unsere zweite Tochter das Licht der Welt

Vorneweg: Ich habe die sehr persönliche Erfahrung gemacht: Ein Kind während des Studiums: mach ich mit links. Zwei Kinder während des Studiums: Mach ich auch, aber nicht mit links. Eher so mit links recht, links recht & nochmal links.

Kurz: Es ist anstrengend, sehr anstrengend. Aber es ist die Anstrengung wert! Ich schlafe jetzt noch weniger, ich trinke manchmal noch mehr Kaffee – aber ich bin auch doppelt glücklich.

Denn ich habe ein sehr wertvolles Geschenk für meine Kinder, das ich ihnen nur schenken kann, weil ich Studentin bin: Zeit! Meine Zeit.
Ja, ich habe sehr viel Zeit für meine Kinder. Während des Semesters gehe ich in die Vorlesungen, ich habe einen Nebenjob, ich blogge, ich habe Referate – aber während der knapp 5 Monate Semesterferien im Jahr habe ich ZEIT. 24/7. Ich bin dann nichts anderes als Mutter – und ich liebe es, Mutter zu sein. Gerade am Ende des Semesters sehne ich die Ferien herbei – dennoch freue ich mich 10 Wochen später wieder auf die Uni.

Dies soll kein verblendeter Bericht über das hippe-coole-Studenten-muddi-Leben sein, nein, im Gegenteil.

Ich selbst sehe mich sehr wenig als „klassische Studentin“. Ich gehe kaum aus, ich habe noch nie in einer WG gelebt, ich nutze keine Studentenrabatte und ich gehe nicht zum Poetry Slam. Ich habe auch kaum Kontakt zu meinen Kommilitonen – da ist der Lebenshintergrund einfach zu unterschiedlich.
Manchmal fühle ich mich dann ein wenig einsam, aber das ist in Ordnung. Ich habe meine Freundinnen, meine Muttis, meine Mutter-Kind-Gruppen.

Und manchmal fühle ich mich auch ein wenig überfordert, dann würde ich am liebsten alles hinwerfen und in einem netten kleinen Cafe arbeiten. Kaffee servieren, Club-Mate trinken & Uno spielen.

Gott sei Dank sind diese Phasen nicht von langer Dauer, aber sie sind da.

Oft werde ich gefragt ob ich empfehlen kann, Studentenmama zu werden.

Ich habe lange über diese Frage nachgedacht – und ich bin zu folgendem Ergebnis gekommen:

Du bist:

  • ehrgeizig
  • diszipliniert
  • selbstorganisiert
  • stressresilient
  • kommst mit einem Mindestmaß an Schlaf zurecht
  • nicht perfektionistisch (denn das, liebe Leser, sollte man dann dringlichst ablegen!)
  • von einem Netzwerk netter Menschen umgeben

GO! Es ist es wert.

Es ist nicht das typische Studentenleben, aber ich finde: Es ist noch viel schöner! Zweifelsohne, manchmal hat es Schattenseiten (oder eher: tiefe Augenringe), aber für mich, für uns, war es die beste Zeit Kinder zu bekommen. Es war unsere Zeit. Es war viel Zeit – es war und ist ihre Kindheit.

Natürlich habe ich das alles nicht ohne Hilfe geschafft!

Ich habe meine Familie, enge Freunde und gute Kitaplätze für meine Töchter.

In 6 Wochen schreibe ich meine letzte Prüfung – dann wird sich entscheiden, ob ich den Master in Psychologie noch studieren werde. Der NC ist hoch - ich bin gut - aber nicht mehr sehr gut. Ansonsten wird das Studentenleben bald der Vergangenheit angehören. Und wenn ich daran denke, werde ich sogar ein wenig sentimental.

Aber wie heißt es so schön: Für jede Station im Leben gibt es seine Zeit.

Ich jedenfalls bin gespannt, was die Zukunft bringt.

Und wenn ich euch etwas mit auf den Weg geben darf, dann wäre es das: Ein Baby zu bekommen ist eine Herzensangelegenheit. Man sollte es nicht an Umständen, vermeintlichen Hindernissen oder Konventionen ausmachen. Und ein Studium, das ist zwar nicht einfach, aber es ist machbar. Sogar gut machbar.

Weil man die Angst manchmal einfach nur überwinden muss.

In diesem Sinne

Frauheute

Aus Liebe zum Leben.

Mehr von Frauheute könnt ihr in ihrem Blog nachlesen: frauheute.wordpress.com, oder folgt ihr einfach bei Instragram: Frauheute bei Instagram.

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