Von der Vollzeit-Mama zur “Working-Mom” und die Sache mit der Selbstfindung

Quelle: fotolia.de @rico287

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Das Mama-Sein an sich ist schon ein großes Abenteuer, stellt uns tagtäglich vor viele Aufgaben und die ein oder andere Herausforderung. Wenn dann aus der Vollzeit-Mama eine berufstätige Mama wird steigen die Anforderungen an die ganze Familie, man muss sich neu organisieren. Bevor ich im Juli diesen Jahres nach nun 6 Jahren ausschließlichem Mama-Sein wieder in das Berufsleben einsteigen sollte, habe ich mir natürlich so einige Gedanken gemach; „wie werde ich nach so langer Zeit wieder in den Job zurückfinden?“, „wie werden die Kinder damit klar kommen nun doch etwas länger in der KiTa zu bleiben?“, „wie bekomme ich die ganzen Termine und vor allem den Haushalt unter einen Hut?“. Dabei will man sich selbst ja auch nicht vergessen!

Als dann mein erster Arbeitstag anstand, war mir den Abend zuvor sogar richtig schlecht vor Aufregung! Zu meiner absoluten Überraschung habe ich dann aber schon nach ein paar Tagen gemerkt, dass das total unnötig war und bis auf ein paar kleine Fragen und Neuerungen hier und da, habe ich schnell wieder in die Abläufe rein gefunden. Ich habe mit 15 Stunden in der Woche begonnen, habe diese dann aber schon nach nur zwei Wochen auf 20 Stunden erhöht. Seither arbeite ich vier Tage die Woche à 5 Stunden und habe freitags frei. Ich habe für mich herausgefunden, dass ich diesen einen freien Vormittag auch wirklich für MICH brauche, denn wir sind eine Familie ohne große familiäre Unterstützungen, also ohne Omas und Opas die uns die Kinder mal auf einen Ausflug entführen oder bei denen sie mal am Wochenende übernachten könnten. Seit wir Eltern sind, machen wir fast alles gemeinsam mit den Kindern. Ein Babysitter kam für uns bisher nicht in Frage. Dementsprechend gibt es für uns auch kaum Verschnaufpausen wie es viele in unserem Bekanntenkreis haben, d.h. wir sind wirklich nonstop Eltern! Und so gehe ich an MEINEM Freitag meistens nachdem ich die Kinder in die KiTa gebracht habe ins Fitnessstudio, einkaufen oder einfach nur mal in Ruhe bummeln und genieße es, mal etwas freier zu sein und mich auf mich konzentrieren zu können.

Der Alltag hat sich aber doch recht schnell eingependelt. Und obwohl ich ja den freien Freitag habe, habe ich keine festen Tage für zum Beispiel Wäsche waschen, Einkaufen oder andere häusliche Tätigkeiten! - Das hatte ich in meiner Zeit als Vollzeit-Mama auch nicht. Ich habe die Tage gerne genommen wie sie sich ergeben haben. Das mag aber manchmal vielleicht auch genau der Grund sein weshalb der Haushalt echt eine oder DIE große Herausforderung darstellt…

Was aber eine noch größere Herausforderung ist, ist die Sache mit der Selbstfindung. In der Zeit als ich eine SAHM (stay-at-home-mom) war, war klar: ich bin Mama und Hausfrau. Ich bin voll und ganz für meine Kinder da und schmeiße hier Daheim den Laden. Das hat mich auch wirklich voll und ganz zufrieden gestellt und erfüllt! Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass ich die ersten Jahre meiner Kinder so intensiv erleben durfte und würde es immer wieder so machen, wenn es so möglich ist. Ich konnte mir auch lange nicht vorstellen wieder in meinen alten Büro-Job zurück zu kehren! Ich war einfach zu sehr „Mama“! Ich wollte viel lieber mit Kindern arbeiten, habe diverse Fortbildungen gemacht, wollte z.B. Stillberaterin werden, habe im Turnverein das Eltern-Kind-Turnen übernommen und eine Krabbelgruppe gegründet.

Doch wo ich nun in meinen alten Job zurück gekehrt bin, merke ich dass es mir sogar Spaß macht, mich wieder ganz anderen Aufgaben zu stellen. Auf andere Art gefordert zu sein und mich einzubringen. Ich war nie der Typ, der sich über seinen Job definiert hat, also hatte ich beruflich nie ein gewisses Ziel vor Augen was ich anstrebte. Allein mein eigener Wissensdurst hat mich schon früher öfter über ein Abend- bzw. Fernstudium nachdenken lassen - und so bin ich auch jetzt schon wieder an den Punkt gelangt. Aber ehrlich gesagt wüsste ich gar nicht, wie ich das mit den zwei Kids auch noch wuppen sollte! Ich bewundere diejenigen die das trotz Kind und anderen Verpflichtungen geschafft bekommen! Derzeit merke ich aber an Tagen, an denen ich erst um 14:00 oder 15:00 Uhr aus dem Büro komme, dass für meine persönlichen Ansprüche und Vorstellungen einfach zu wenig Zeit für und mit den Kindern bleibt. Bei uns gibt es um 18:00 Uhr Abendessen und in der Regel ist dann spätestens um 19:30 Uhr Schlafenszeit. Und ab da genieße ich es durchschnauffen zu können, mich mal in Ruhe mit meinem Mann zu unterhalten, etwas zu lesen, eine Serie zu schauen oder einfach mal Musik zu hören. Ich denke vor allem weil wir als Paar so auf uns allein gestellt sind, legen wir besonders Wert auf unsere kleinen freien Inseln im Alltag. Kleinigkeiten werden zwar auch hin und wieder erledigt aber ich habe auch wirklich keine große Lust bis kurz vor’m Schlafengehen meinen ganzen Haushalt zu regeln - auch wenn ich weiß, dass es bei vielen ganz genau so abläuft.

Im Großen und Ganzen befinde ich mich aber in einem reinen Wechselbad der Gefühle. Schwankend zwischen dem Gefühl; am liebsten wieder Hausfrau zu sein und wieder mehr Geduld für die Kinder zu haben - denn eins ist klar: seit ich wieder berufstätig bin und einem Zeit- und Termindruck unterliege, habe ich definitiv eine wesentlich kürzere Geduldspanne und bin auch leichter genervt - und dem Bedürfnis doch irgendwie „mehr“ aus mir selbst machen zu wollen. Das wiederum deckt sich aber eben schlecht mit unserer bindungsorientierten Erziehung.

Aber eine wichtige Sache die ich nicht nur, aber vor allem als Mama gelernt habe ist, dass alles nur eine Phase ist! Man entwickelt sich nonstop weiter. Meinungen und Einstellungen ändern sich oder werden angepasst. Wer weiß, vielleicht mache ich ja doch noch irgendwann ein Fernstudium oder aber stufe meine Arbeitszeit doch irgendwann wieder zurück und bin glücklich damit und finde ein Studium überflüssig! Das Schöne ist ja, dass wir in einer Zeit leben in der wir viele Möglichkeiten haben und in der der Zug auch mit 40 Jahren noch nicht abgefahren sein muss!

Gastbeitrag von Gina

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